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Andalusien ist Faszination pur!

Wer glaubt, Andalusien in wenigen Tagen erkunden zu können, wird rasch die Unmöglichkeit seines Unterfangens erkennen: mit 87.000 qkm ist Andalusien die größte autonome Region in Spanien. Meine Neugier auf dieses kontrastreiche Land zwischen zwei Meeren und zwei Kontinenten ist ungebremst. Am Flughafen erwartet mich Carmen, eine echte Andalusierin, die mich auf meiner viel zu kurzen Erkundungsreise begleiten wird.

In Marbella genießen wir am Abend spanische Spezialitäten aus der Region Málaga: “Gazpacho” (eine kalte Suppe aus Tomaten, Paprikaschoten, Gurken, Knoblauch und Essig), “Arroz a la marinera” (Reis nach Seemannsart) und “Atúnmechado a la malaguena” (Thunfisch nach Malaga-Art). Früh am nächsten Tag holt mich Carmen für einen vormittäglichen Abstecher nach Ronda ab. Carmens rasante Fahrweise und ihr wenig vertrauenerweckender, alter Fiat bringen mich schnell ins Schwitzen. Bei jedem entgegenkommenden Fahrzeug bange ich um mein Leben. Aber Carmen bleibt gelassen: “Ay, no pasa nada.” (Da passiert schon nichts.). In Ronda werde ich belohnt mit dem Ausblick auf eine phantastische Kulisse mit der bis zu 180 m tiefen Schlucht “Tajo” sowie der Brücke “Puente Nuevo” aus dem 18. Jahrhundert. Wir besichtigen mehrere alte Adelshäuser mit besonders schönen Innenhöfen, den so genannten “Patios”. In diesen hat sich das arabische Erbe bis heute bewahrt: kunstvolle Arkaden und ein Brunnen oder Wasserbecken in der Mitte.

Die nächste Station meiner Reise ist Granada. Hier wollen wir natürlich einen Besuch der zum UNESCO Kulturerbe erklärten “Alhambra” nicht versäumen. Die meistbesuchte Stadt Andalusiens hat sich etwas Märchenhaftes bewahrt und die “Alhambra” gilt als Inbegriff orientalischer Prachtentfaltung auf europäischem Boden. Am Abend steigen wir in der Nähe der Kathedrale den Hügel “Albaycín” hinauf. Die laue Frühsommerluft, der Sonnenuntergang, der wunderbare Blick auf die Alhambra und die schneebedeckte Sierra Nevada im Hintergrund sind ein unbeschreiblicher Eindruck. Auf dem Rückweg kommen wir an der “Plaza Bib Rambla” vorbei, auf der sozusagen der “Stier” tobt! Einen Stier gibt es hier natürlich nicht. Aber das Leben pulsiert. Denn wir befinden uns plötzlich inmitten der Fronleichnams-Prozession, einer der berühmtesten “Ferias”, den traditionellen Volksfesten Andalusiens. Wir beobachten auf der nach Weihrauch riechenden Plaza eine Militärparade von Uniformierten mit aufgepflanztem Bajonett. Eine riesige Monstranz wird durch die Straßen geschleppt und dazwischen laufen maskierte Spanier mit überdimensionalen Köpfen. Hier wird klar, dass sich in den Dörfern und Städten der gesamten Region die inspiriertesten Momente der andalusischen Lebensart und Lebensfreude widerspiegeln. Nach soviel Besichtigungen haben wir Hunger und freuen uns auf unschlagbare Tapas, wie Gambas in Knoblauch, maurische Hühnerspieße, Artischockenherzen in Gorgonzola, Tomaten mit Parmesan, Ziegenkäse-Kroketten, Kräutermandeln mit Oliven etc.

Die letzte Station meiner Andalusien-Reise ist Jerez de la Frontera und hier begeben wir uns natürlich auf die Suche nach einer Bodega. Man muss einfach nur der Nase nachgehen – die ganze Stadt riecht nachdem herrlichen Getränk! Kein Wunder, denn der Sherry wird hier fassweise produziert. Ein Besuch im typischen Weinkeller “Bodega Gonzalez Byass” darf nicht fehlen: seit 140 Jahren schenkt man hier Sherry und Wein vom Fass aus. Besonders beeindruckt bin ich, als der Winzer mir ein Glas mit einem über 100 Jahre alten Wein in die Hand drückt. Dieser außergewöhnliche Wein ist umwerfend köstlich. Ich bin begeistert und fange gleich an, mit ihm zu verhandeln. Schließlich brauche ich ein landestypisches Mitbringsel für meine Familie. Das erste Preisangebot bewegt sich ungefähr in der Preislage eines Mittelklasse-Wagens, aber durch das breite Grinsen des Winzers merke ich schnell, dass er mich nur auf den Arm nehmen will. Wir einigen uns auf einen passablen Preis, mit Handschlag – eben eine Preisverhandlung auf andalusisch! Den Wein habe ich übrigens selbst behalten. An kalten Winterabenden gönne ich mir das edle Tröpfchen, sehnsüchtig und gedankenverloren nach dem schönen Andalusien…

Jörg Fischer
Jörg Fischer
Leitung Produktmanagement, "Let it Roll".

Jörg kennt fast alle Zielgebiete wie seine Westentasche und hat fast alle Ferienhäuser und Hotels persönlich inspiziert.

Manche Dinge ändern sich, andere nicht. Für Jörg galt schon immer: Vorliebe für gutes Essen und sehr gute Weine, für komfortables Reisen sowie eine echte Abneigung gegen sportliche Betätigung. Dinge die sich ändern: So manches Hobby - erst unlängst musste die geliebte "Ducati Sportclassic" einer kleinen Sammlung an amerikanischen Gibson- und Fender-Gitarren weichen.