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Wieder stand die Urlaubsplanung für das kommende Jahr an, und das Reiseziel sollte einmal mehr mein Lieblingsland Frankreich sein. Nachdem aber dieses Land nun schon fast zur Gänze mit verschiedensten Fahrzeugen, vom Kleinwagen bis zum Camper, von uns erkundet worden war, wurde schnell klar: Diesmal sollte es eine andere Art von Urlaub werden, der einen ganz neuen Blick auf das Land eröffnet. So kam die Idee mit dem Hausboot auf, und schnell war auch die passende Strecke gefunden: der Canal du Midi in der südfranzösischen Region Languedoc-Roussillon.

Endlich starteten wir an einem sonnigen Tag Anfang Juni in Richtung Südfrankreich, doch nach einer Zwischenübernachtung bei Avignon trübte sich das Wetter zunehmend ein und wir erreichten die Hausboot-Station im hübschen Städtchen Castelnaudary im strömenden Regen. Leider machte der Regen auch vor unserem gemieteten Hausboot nicht halt – ein Teil der Schlafkabine stand unter Wasser. Nach einigem Hin und Her bekamen wir ein dichtes Boot, das allerdings sehr viel größer war als das ursprünglich gebuchte, und uns beschlichen leise Zweifel, ob wir mit diesem Ungetüm zurechtkommen würden – galt es doch auf der Strecke mehr als 60 Schleusen zu passieren!

Nach einer kurzen Einführung ging es dann los, und schon nach wenigen Metern war die erste große Herausforderung für uns Landratten erreicht: eine Vierfachschleuse mit einem Höhenunterschied von 9,42 m. Tapfer kämpften wir uns durch die vier Schleusenbecken hinab und bekamen langsam ein Gefühl für die richtigen Handgriffe; schließlich konnten wir unsere Fahrt unbeschadet fortsetzen. Bereits kurze Zeit später war die nächste Schleuse erreicht, die wir schon ganz passabel meisterten; der freundliche Schleusenwärter bot uns eine leckere Apfel-Tarte direkt aus dem Ofen an, mit der wir uns für die kommenden Kilometer stärkten.

Gemächlich ging die Fahrt auf dem Kanal weiter, vorbei an mit Platanen bestandenen Ufern, und mit der Zeit konnten wir das Boot einigermaßen auf Kurs halten (nicht ohne trotzdem einige tiefhängende Äste zu touchieren). Am zweiten Tag näherten wir uns der Stadt Carcassonne mit ihrer beeindruckenden Festung, hier legten wir im Hafen an und machten uns sogleich auf zur Stadtbesichtigung. Betritt man die mittelalterliche Festung “Cité de Carcassonne”, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, fühlt man sich in eine andere Welt versetzt: kleine Gassen mit Kopfsteinpflaster führen vorbei an historischen Gebäuden, Galerien, kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants laden zum Bummeln und Verweilen ein.

Nach dem Trubel der Stadt freuten wir uns dann wieder auf die gemächliche Weiterfahrt auf dem Canal du Midi, wo die Ruhe nur ab und zu durch entgegenkommende Boote unterbrochen wird. Kilometer für Kilometer, Schleuse für Schleuse folgten wir dem Wasserweg durch schöne Landschaften und vorbei an hübschen Ortschaften bis zum Weinstädtchen Homps. Hier wendeten wir das Boot, um wieder zurück nach Castelnaudary zu fahren. Dort angekommen fuhren wir noch einen Tag kanalaufwärts bis zum Scheitelpunkt des Kanals an der “Écluse d’Océan” und statteten auch dem ehemaligen Wasserspeicher bei Narouze einen Besuch ab.

Nach einer Woche auf dem Canal du Midi fiel es uns richtig schwer, das Boot abzugeben und wieder in das Leben an Land zurückzukehren, so sehr hatten wir uns an die Ruhe und das gemächliche Tempo auf dem Kanal gewöhnt…

Stefanie Jehle
Stefanie Jehle
Backoffice, Content-Management & Administration, "Voyage, Voyage".

Die im Jahr 1987 noch auf Vinyl erschienene Hit-Single der französischen Sängerin Desireless sagt so manches aus über das Wesen und die Präferenzen von Stefanie Jehle. Zunächst: Reisen ist ihre Passion. Dabei führt sie ihre spontane Neugierde auch an die entlegensten Orte dieser Welt. Ihre persönliche Lieblings-Destination ist jedoch Frankreich. Nicht nur deshalb, weil Stefanie so gut französisch spricht (ihr Englisch und Italienisch sind allerdings nur unwesentlich schlechter), es ist einfach die Lebensart unserer westlichen Nachbarn, die ihr so gut gefällt.