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Im Südwesten Frankreichs, in den Regionen Midi-Pyrénées und Languedoc-Roussillon, befindet sich der Canal du Midi. Er führt von der Stadt Toulouse zum Mittelmeer und zusammen mit dem Canal de Garonne nordwestlich von Toulouse verbindet er den Atlantik mit dem Mittelmeer. Das erste Stück von Toulouse bis zum Scheitelpunkt in Narouze führt bergauf, dann geht es stetig abwärts bis zum Mittelmeer. Größere Städte am Canal du Midi sind Carcassonne, Béziers und Agde, bei Marseillan mündet der Kanal in die Lagune “Étang de Thau”. Erbaut wurde der Kanal zwischen 1667 und 1681 von Pierre-Paul Riquet, seit dem Jahr 1996 ist er UNESCO-Weltkulturerbe.

Geschichte des Canal du Midi

Von jeher wurde es als erstrebenswert angesehen, eine Verbindung vom Atlantik zum Mittelmeer zu schaffen, um so den beschwerlichen und fast sechsmal so langen Seeweg um die Iberische Halbinsel zu vermeiden. Nachdem es bereits Überlegungen in der Antike und im Mittelalter gab, wurde das Projekt jedoch erst im 17. Jahrhundert in Angriff genommen. Es war der in Béziers geborene Pierre-Paul Riquet, der in langjähriger Arbeit die Pläne für den Kanal und alle notwendigen Bauwerke entwarf. Er löste auch das Problem der Wasserzufuhr, welches bisher den Bau verhindert hatte, indem er Wasser aus den Schwarzen Bergen zum Kanal leitete. Im Jahre 1667 wurde dann mit der Errichtung des Wasserreservoirs am Scheitelpunkt begonnen, bereits 14 Jahre später wurde der Canal du Midi eröffnet. Leider erlebte Pierre-Paul Riquet die Eröffnung nicht mehr mit, er starb im Oktober 1680. Sein Nachfolger war Sébastien de Vauban, der noch einige Verbesserungen ausführen und neue Bauwerke erstellen ließ.

Der Kanal gilt als eine der größten Meisterleistungen der Baukunst des 17. Jahrhunderts und war wohl die größte Baustelle in ganz Europa zur damaligen Zeit. Riquet beschäftigte bis zu 12.000 Arbeiter, die er gut behandelte und angemessen entlohnte. Der Canal du Midi war zur damaligen Zeit der wichtigste Verkehrsweg in Südfrankreich und verhalf der Region zu einem beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Der Kanal wurde mit Lastkähnen befahren, die von Zugtieren bewegt wurden. Für diese Zugtiere, meist Pferde, wurden links und rechts des Kanals Treidelpfade angelegt; an diesen Pfaden wurden Bäume, hauptsächlich Platanen, zum Schutz vor Sonne und Verdunstung gepflanzt.

Doch nicht nur Lasten, sondern auch Reisende und Post wurden auf dem Canal du Midi befördert, allerdings konnte sich die Schifffahrtsstraße ab Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr gegen die Konkurrenz der Eisenbahn durchsetzen. Mit dem Bau der Autobahn parallel zum Kanal verlor dieser Mitte des 20. Jahrhunderts endgültig seine Bedeutung für den Frachtverkehr, jedoch wurde die Wasserstraße in den 1970er Jahren für den Tourismus entdeckt. Heute lockt der Canal du Midi Jahr für Jahr rund 50.000 Urlauber an, die mit gemieteten Hausbooten auf dem romantischen Kanal schippern. Die Treidelpfade links und rechts des Kanals laden zu Fahrradtouren, Wanderungen und Ausritten ein.

Bauwerke am Canal du Midi

Da der Scheitelpunkt des Canal du Midi 189 m über dem Meeresspiegel liegt, sind zahlreiche Schleusen notwendig. Durch ihren ovalen Grundriss haben die Schleusen eine höhere Stabilität und bieten trotz der schmalen Toren mehreren Schiffen gleichzeitig Platz. Derzeit sind 63 Schleusen in Betrieb, von denen gut die Hälfte noch von Schleusenwärtern betrieben wird. Meist wohnen die Schleusenwärter direkt an ihrer Schleuse, viele haben ihre Häuser liebevoll hergerichtet und es werden oft regionale Produkte oder Kunsthandwerk zum Kauf angeboten.

Eines der eindrucksvollsten Bauwerke am Canal du Midi ist die Schleusentreppe von Fonserannes unweit von Béziers. Hier wird in sechs Stufen (ursprünglich waren es acht) ein Höhenunterschied von 13,6 Metern überwunden; die Durchfahrtszeit beträgt flussaufwärts etwa 45 Minuten, flussabwärts etwa 30 Minuten. Direkt neben der Schleusentreppe wurde 1984 ein Schiffshebewerk eröffnet, das jedoch im Jahr 2011 wegen geringer Nachfrage und vieler Defekte wieder stillgelegt wurde. Ebenfalls recht außergewöhnlich ist die Rundschleuse von Agde, in welcher Schiffe in einen Nebenkanal “abbiegen” können, um so in die Stadt Agde zu gelangen. Hierfür werden die Schiffe in der Schleuse um 90 Grad gedreht – eine absolute Novität zur damaligen Zeit.

Da der Canal du Midi viele Straßen und auch Flüsse kreuzt, mussten unzählige Brücken gebaut werden. Außergewöhnlich für das 17. Jahrhundert war der Bau von Kanalbrücken, von denen 50 Stück existieren. Damals weltweit einzigartig war der Kanaltunnel von Malpas, der 160 m weit unter einem Hügel hindurchführt. Die 126 Straßenbrücken wurden in gewölbten Bögen über den Kanal gebaut und haben aufgrund ihrer geringen Breite und Höhe die Durchfahrt großer Schiffe verhindert. Nicht zuletzt deswegen wurde der Kanal nie ausgebaut und blieb in seinem ursprünglichen Zustand erhalten, was ihm auch den Titel eines Weltkulturerbes einbrachte.

Stefanie Jehle
Stefanie Jehle
Backoffice, Content-Management & Administration, "Voyage, Voyage".

Die im Jahr 1987 noch auf Vinyl erschienene Hit-Single der französischen Sängerin Desireless sagt so manches aus über das Wesen und die Präferenzen von Stefanie Jehle. Zunächst: Reisen ist ihre Passion. Dabei führt sie ihre spontane Neugierde auch an die entlegensten Orte dieser Welt. Ihre persönliche Lieblings-Destination ist jedoch Frankreich. Nicht nur deshalb, weil Stefanie so gut französisch spricht (ihr Englisch und Italienisch sind allerdings nur unwesentlich schlechter), es ist einfach die Lebensart unserer westlichen Nachbarn, die ihr so gut gefällt.