Die Adria – nicht mehr nur Teutonengrill

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Die italienische Adria

Geben wir es zu: Die meisten haben mit Beginn des Siegeszuges der CD ihre alte Vinyl-Schallplattensammlung entsorgt. Das gleiche Schicksal erleidet oft unsere Kleidung, etwa zu breite Krawatten oder Röcke mit unterschiedlicher Länge. Je nach dem, was gerade angesagt ist. Dabei wissen wir doch inzwischen, dass früher oder später beinahe jeder Trend nach einer gewissen Zeit sein Comeback erlebt – sei es Kleidung, Frisuren oder Sonstiges. Daher sind natürlich auch Urlaubs-Destinationen in längeren Zeitabständen einem gewissen Trend unterworfen.

Der Küstenabschnitt der nördlichen Adria war jahrzehntelang der Inbegriff für Strandurlaub in Italien. Insbesondere Küstenorte wie Bibione, Cattolica, Riccione und natürlich Rimini waren Synonyme für eine gewisse Art und Weise, seinen Urlaub zu verbringen. So zogen Karawanen vollgepackter VW Käfer, Opel Kadett, Audi 80 und Ford Granada, viele noch mit schwerem Wohnwagen am Heck, über die Alpen Richtung Süden.

Ihr Ziel waren Campingplätze, Hotels und Pensionen der 2- oder 3-Sterne-Klasse, Halbpension inbegriffen. Damals aß man Spaghetti noch ohne schlechtes Gewissen mit Gabel und Löffel. Der bayrische Kabarettist Gerhard Polt setzte dieser Kultur in den 1980er Jahren mit seinem treffenden Film “Man spricht Deutsch” ein Denkmal; zu einem Zeitpunkt, als es mit dem “Teutonengrill” an der Adria bereits stark bergab ging und die deutschsprachigen Hinweise in den Geschäften nach und nach durch Schilder mit kyrillischen Buchstaben ersetzt wurden.

Die unzähligen Mittelklasse-Hotels mit Namen wie “Florida”, “Bikini” und “Ingrid” führten nun für längere Zeit ein tristes Dasein mit Niedrigst-Preisen und beherbergten zumeist osteuropäische Pauschaltouristen oder sehr junge Vertreter jener Gattung vergnügungssüchtiger Zeitgenossen, welche die Nacht zum Tag machen. Schließlich ist die Adriaküste nicht nur für breite, kilometerlange Sandstrände bekannt, sondern auch für Nachtleben und Discotheken im XXL-Format.

Mit den Jahren setzte jedoch endlich ein Umdenken ein – einheimische Unternehmer, Hoteliers und Politiker besannen sich auf ihre Stärken und Traditionen. Es wurde und wird viel Geld in die Infrastruktur gesteckt und aus der 3-Sterne-Pension “Las Vegas” wird das 4-Sterne-Hotel “Relais & Spa Villa Belvedere” oder Ähnliches. Die Innenstadt von Riccione etwa ist inzwischen mit ihren schönen Geschäften, Bars und Boutiquen herausgeputzt wie Miami Beach, außerdem hat der Ort eine der besten regionalen Küchen Italiens vorzuweisen. Selbst der ehemals klebrig-süße Lambrusco erlebt eine Wiederauferstehung als süffiger Qualitätswein mit amtlichem Prüfsiegel und Bestbewertungen in einschlägigen Weinführern.

Kulturell und landschaftlich steht die Emilia-Romagna ihren Nachbarregionen in nichts nach. Die meernahen Hügelketten des Hinterlandes sind ein lohendes Reiseziel für alle, die es etwas ruhiger lieben aber dennoch in relativ kurzer Zeit die – übrigens sehr gepflegten – Strände der Adria erreichen möchten. Die meisten Küstenabschnitte sind mit der “Bandiera Blu” ausgezeichnet, einer Zertifizierung für hohe Qualität der Strände sowie sauberes Wasser.

Anja Fischer
Anja Fischer
Kennt fast alle Zielgebiete wie ihre Westentasche und hat fast alle Ferienhäuser und Hotels persönlich inspiziert.

Anja Fischer liebt Genuss und das Ausleben schöner Momente, im Hier und Jetzt. Das geht einher mit einer zelebrierten Leidenschaft fürs Kochen. Das hat sie von ihrem Vater. Und sie kann es tatsächlich: ungezügelt genießen und dabei kein Gramm zunehmen. Das sind die Gene der Mutter. Oder ist es diese immerwährende Energie, welche die diplomierte Betriebswirtin in einer beneidenswerten Form hält? Ihre unstillbare Neugierde auf Menschen, Länder und authentische Erfahrungen? Anja ist ein Multi-Tasking-Individuum.