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Tapas, Flamenco, Olé!

Mit dem Felsen von Gibraltar bildet die Region Andalusien den südlichsten Teil des europäischen Festlandes. Bei Tarifa liegen Europa und Afrika nur 14 Kilometer voneinander entfernt. Von hier aus ist die Küste Afrikas zu sehen und das marokkanische Rif-Gebirge erscheint zum Greifen nah.

Der Besucher Andalusiens kommt oft mit Erwartungen im südlichsten Teil Spaniens an, die überquellen von überholten Klischees zu Stierkampf, Flamenco, Machismo oder Sangria. Aber man wird schnell freudig überrascht von der gastfreundschaftlichen Lebensart der Andalusier, von der abwechslungsreichen Kultur und ihren einzigartigen Traditionen. Man befindet sich plötzlich in einer ganz anderen Welt.

Die Nähe zum Kontinent Afrika hat die Region geprägt und ist die Grundlage ihrer Kultur. Römische und arabische Architektur, die Renaissance und der prachtvolle Barock haben in Andalusien ein reiches Erbe hinterlassen. Sowohl in den Städten als auch in zahlreichen kleineren Ortschaften werden jährlich traditionelle Feste gefeiert. Ob nun farbenprächtige Volksfeste oder feurige Flamencotänze – schnell gewinnt man das Gefühl, dass die Andalusier sowohl Hauptdarsteller als auch Zuschauer sind.

Feurige Andalusier

In der Gegend um Cadiz haben auch die Pferde ein feuriges Temperament. Denn die Provinz gilt als Wiege der spanischen Pferdezucht. Die Tiere der “Pura Raza Espanola”, vereinfacht “Andalusier” genannt, gehören zu den edelsten Pferden der Welt. In der Hofreitschule von Jerez de la Frontera kann man bestaunen, wozu ein rassiger Andalusier in der Lage ist. Jedes Jahr im Mai präsentieren sich zum “Fest des Pferdes” Tausende von stolzen Reitern hoch zu Ross, in eleganten Bolero-Jacken, mit hochgeschnittenen Hosen, weißen Rüschenhemden und dem typisch spanischen Hut.

Sherry – ein einzigartiger Aperitif

Jerez de la Frontera ist auch die Heimatstadt des berühmten Sherry, der eigentlich “Jerez” heißt. Das auch in anderen Sprachen geläufige Wort “Sherry” stammt von der arabischen Bezeichnung der Stadt “Sherish”, aus dem die Engländer das Wort “Sherry” ableiteten. Dieser zählt heute zu den berühmtesten Aperitif-Weinen der Welt und wird zum Teil mit der Qualität des französischen Champagner verglichen.

Die Einzigartigkeit seines Geschmacks ist auf den besonderen Herstellungsprozess zurückzuführen. Die Gärung des edlen Getränkes findet in nicht ganz gefüllten Eichenfässern statt. In den Reihen von bis zu fünf übereinander gelagerten Fässern wird immer nur ein Teil eines jeweiligen Fasses geleert und die fehlende Menge durch ein Quantum des nächstjüngeren Weines ersetzt – so wird eine gleichbleibende Qualität erreicht.

Feste und Stierkämpfe

Die volkstümliche Kultur Andalusiens spiegelt sich in den unzähligen lokalen Festwochen, den “Ferias” ebenso wider wie im Stierkampf. Beim Stierkampf vermischt sich Begeisterung, Angst und Bewunderung vor der beeindruckenden Geschicklichkeit des “Toreros” – und so wird jede “Corrida de Toros” zu einem unvergesslichen Spektakel. Kleidung, zeremonielle Abfolge der Kampfabschnitte und die traditionellen Stellungen des Toreros, während er dem Stier mit dem Tuch begegnet, ihn passieren lässt und dabei würdig, ruhig und fest stehen bleibt, sind die Charakteristika des Stierkampfes. Das Spektakel hat sich im Laufe der Jahrhunderte tief in der spanischen Kultur verwurzelt.

Der Stierkampf findet seine Ursprünge bei den Mauren und Phöniziern und lässt sich auf uralte Hochzeitsriten zurückführen. In diesen musste sich der Bräutigam vor der Hochzeit einem Stier nähern, um durch eine mutige Berührung Zeugungskraft übertragen zu bekommen und seine Männlichkeit zu beweisen. Denn der Stier gilt noch heute als Symbol der Fruchtbarkeit. Entsprechend wird er auch geehrt: Das Tier genießt vor dem Stierkampf ein wahrlich königliches Leben führt und wird bis zu seinem ehrfurchtsvollen Tod umfassend verwöhnt.

Der muskelbepackte Halbtonner braucht zusammen mit seinen Artgenossen riesige Freiflächen – möglichst naturbelassen, versteht sich! Die Kampfstiere sollen möglichst erst in der Arena ihren ersten Kontakt mit dem Menschen bekommen. Bis dahin dürfen sie sich auf Weideland mit Oliven- und Korkeichenwäldern tummeln. Besonders zeugungsfähige Bullen können über einen Harem von bis zu 50 Kühen residieren. Die 500-Kilo-Bullen mit ihren gefährlich spitzen Hörnern sehen zum Fürchten aus, sind aber sehr scheu und entfernen sich sogar, wenn man sich ihnen nähert. Wer hätte das gedacht: Die mächtigen Tiere verhalten sich ähnlich wie andalusische Machos – etwas mehr Schein als sein…

Der Flamenco

Bei einer andalusischen Fiesta dürfen der Gesang, der Tanz und die typische Gitarrenmusik des Flamenco nicht fehlen. Die ausgeprägten Rhythmen und die arabeskenhaften Verzierungen der Melodie, begleitet von den Klängen der Gitarren und Kastagnetten haben unübersehbar die Form eines Rituals mit dem Schreien und den scheinbar schmerzverzerrten Gesichtern der wie in Hypnose erscheinenden Tänzer und Gitanos. Die musikalischen Wurzeln des Flamenco sind wohl auf das 9. Jahrhundert zurückzuführen, auf einen Sänger aus der Stadt Bagdad, welcher diese persische Tradition nach Europa brachte. Lokalitäten für den typischen Flamenco sind oft urige, kleine und unscheinbare Bars, in denen niedrige Holzstühle im Halbkreis stehen und eine bühnenartige Freifläche umschließen.

Tapas – eine kulinarische Tradition

Zu den kulinarischen Traditionen Andalusiens zählen eindeutig die köstlichen Tapas. Eine Tapa ist ein kleines Appetithäppchen – die Bedeutung des spanischen Wortes ist eigentlich “Deckel” oder “Abdeckung”. Die Tapas waren ursprünglich lediglich als kleine Leckereien gedacht, die man nebenher im Stehen verzehrt; heutzutage werden sie aber auch als Vorspeise oder gar als Hauptgericht serviert.

Jede spanische Ortschaft besitzt mindestens eine Tapas-Bar, in welcher die kleinen appetitlichen Häppchen zu Rotwein, Sherry oder Bier gereicht werden. Jede Tapas-Bar besitzt und ist stolz auf eine individuelle Auswahl verschiedener Tapas.

Andrea Wohllaib
Andrea Wohllaib
Unsere Expertin für Italien, Griechenland und Kroatien, "Biturbo".

Andrea Wohllaibs auffälligstes Merkmal im Arbeitsalltag ist ihre Abwesenheit: Wenn sie nicht da ist, türmen sich überall Stapel an zu erledigender Arbeit. Andrea ist berüchtigt für ihre Effizienz, die - einem Turbolader beim Verbrennungsmotor ähnlich - ab einer bestimmten Drehzahl einsetzt und dann ordentlich für Druck sorgt.