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Wie ich unfreiwillig Reiseführer auf der Isola d’Elba wurde

Die Anekdote, die ich im Folgenden erzählen möchten, trug sich im Jahr 1990 zu: Ich war damals ein 24jähriger Student an der Universität Florenz und jobbte in einem Reisebüro, um das Geld für die ständigen, hohen Reparaturkosten meines Alfa Romeo Spider zu verdienen (1300 Fastback, Bj. 73, beige, weinrotes Leder, schwarzes Verdeck, Schwachpunkt: Zylinderkopfdichtung). Nun organisierte besagtes Reisebüro wöchentlich Busausflüge für deutsche Touristen von Florenz nach Elba. Meine Aufgabe war es, morgens die Gäste zu empfangen und diesen die mitreißende Fremdenführerin vorzustellen. Eines Tages erschien die hübsche Claudia jedoch nicht (damals gab es keine Handys, später stellte sich heraus, dass ihre Vespa auf der Anfahrt den Dienst versagt hatte).

Auf Anweisung meines Chefs sollte ich nun nach Elba mitfahren und in Portoferraio, der “Hauptstadt” von Elba, eine örtliche Führung organisieren. Dort angekommen stellte ich erschrocken fest, dass die Nachfrage riesig und alle Führungen ausgebucht waren – aber aus Florenz kam der unbarmherzige Befehl: “Dann machst das eben Du!” Ich kannte Elba, allerdings nur den “Club 69” und die Bar am Strand von Marina di Campo. Und vom Busfahrer war keine Schützenhilfe zu erwarten, der war Tscheche. Jetzt nahm das Unglück seinen Lauf. Ich gab wirklich mein Bestes und versuchte, als Elba-Experte zu glänzen, aber…

Die schlimmsten Patzer seien hier kurz aufgezählt: Beim Besuch der Villa Napoleons schilderte ich mit viel Phantasie das vermeintlich ausschweifende Leben des Imperators, wunderte mich jedoch innerlich über die Schlichtheit des Domizils. Eine vorbeigehende deutsche Reiseführerin schaffte dann jedoch, für alle deutlich vernehmbar, Klarheit: Dies war gar nicht die Napoleon-Villa, sondern nur dessen selten benutztes Landhaus! Etwas geknickt trat ich und meine Reisegruppe den Rückweg zum wartenden Bus an, vorbei an einem prunkvollen Gebäude mit großem Festsaal. Auf die Frage, was das denn wäre, improvisierte ich wieder: Hier veranstaltete Napoleon Empfänge für wichtige Besucher und Staatsgäste. Wiederum war es eine mit lauter Stimme sprechende Fremdenführerin, die mich Reiseführer-Helden blamierte: Das Gebäude wurde erst gebaut, nachdem Napoleon die Insel bereits verlassen hatte…

Punkte sammeln konnte ich dann aber in der Mittagspause: Das Essen war gut und ich handelte mit dem Restaurantbesitzer eine Extra-Portion Wein und eine Runde Grappa aus, um die Gäste schläfrig zu machen. Während der Bus-Rundfahrt am Nachmittag erkundigte sich ein Gast, ob die Gruppe noch das pittoreske Capoliveri besuchen würde – ich verneinte mit dem Hinweis, das würde sich auf der anderen Seite der Insel befinden. Nach wenigen Minuten tauchte das nicht zu übersehende Ortsschild “Capoliveri” auf. Mein Originalton: “Pardon, hatte vergessen, es gibt zwei Capoliveri auf Elba!” Nachdem nun der Glaube an die Kompetenz des Tourguides endgültig dahin war, versuchte ich mich, mit leidlichem Erfolg, im Erzählen von Witzen (einer davon ist heute noch in meinem Repertoire). Abschließend gibt es eigentlich nur noch zu bemerken, dass keiner der Mitreisenden eine Minderung des Reisepreises forderte, ich von meinem Chef Schmerzensgeld verlangte und von den 5.000 Lire (etwa 5 Mark) Trinkgeld, die ich von einem mitleidigen Gast in die Hand gedrückt bekam, einen Liter Motoröl für meinen Alfa Romeo kaufte.

Jörg Fischer
Jörg Fischer
Leitung Produktmanagement, "Let it Roll".

Jörg kennt fast alle Zielgebiete wie seine Westentasche und hat fast alle Ferienhäuser und Hotels persönlich inspiziert.

Manche Dinge ändern sich, andere nicht. Für Jörg galt schon immer: Vorliebe für gutes Essen und sehr gute Weine, für komfortables Reisen sowie eine echte Abneigung gegen sportliche Betätigung. Dinge die sich ändern: So manches Hobby - erst unlängst musste die geliebte "Ducati Sportclassic" einer kleinen Sammlung an amerikanischen Gibson- und Fender-Gitarren weichen.