Basilica Palladiana (Vicenza) - facade on Piazza dei signori
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Florenz

«Siamo diladdarno« hört man hier oft, und es bedeutet: siamo al di là del fiume Arno – wir sind von der anderen Seite des Arno! Und das sagt man mit Stolz, denn für Florentiner spielt sich hier das wahre Leben ab. Vor allem abends! Draußen mit Freunden essen, Wein trinken und hinüberschauen auf die Stadt, die im Sommer den Touristen gehört. Nach einigen Tagen in Florenz versteht man besser, weshalb die Florentiner Fremden gegenüber so aufgeschlossen und freundlich sind, obwohl es in dieser Kunst- und Kulturstadt nur so von Menschen aus aller Welt wimmelt. Diese Offenheit gegenüber fremden Kulturen ist historisch gewachsen.

Zu dieser offenen Lebenseinstellung kommt hinzu, dass die Florentiner viel Wert auf gutes Essen und ein feines Glas Wein legen, denn mit einem vollen Bauch sieht man das Leben gleich viel gelassener. Die echten Florentiner genießen gerne und geben dafür auch viel Geld aus, was man deutlich sehen kann, wenn man sie auf ihrem Lieblingsmarkt, dem Mercato Centrale beobachtet. Dort wird nicht in erster Linie um den Preis gefeilscht, sondern um die beste Qualität. Eigentlich müssten ja die Einheimischen ein wenig sauer sein, dass nun auch Besucher von überall her ihr Schlaraffenland bevölkern. Sie nehmen es hin – sicherlich nicht immer erfreut – denn die Preise klettern von Jahr zu Jahr und viele Bewohner dieser Stadt können sich «ihre» Stadt nicht mehr leisten. Sie ziehen ins Umland, um dann morgens auf den ständig verstopften Straßen zur Arbeit zu fahren. Cosa vuoi fare? Was soll man machen, der Tourismus hat auch viel Geld in die Stadt gebracht und Arbeitsplätze geschaffen.

Rund um den Mercato San Ambrogio

Der Mercato San Ambrogio ist bei den Einheimischen sehr beliebt, weil er nicht ganz so touristisch ist, wie der Mercato Centrale, das Angebot aber ebenso vielfältig. Echtes Marktfeeling erlebt man morgens, wenn die Waren gerade frisch aufgebaut worden sind und die Hausfrauen und Gastronomen des Viertels zum Einkaufen kommen. Man kennt sich, tauscht Neuigkeiten aus, prüft die Ware und feilscht lautstark! Berge unterschiedlichster Salamisorten, fangfrische Fische und Meeresgetier, duftendes Obst und knackiges Gemüse und Pecorino in allen Reifestufen verführen. Lautes Stimmengewirr und verlockende Düfte machen den Besuch zu einem Festival der Sinne. Vor der Markhalle bieten Händler den ganzen Tag über Kleidung, Schuhe, Tischwäsche und vieles andere, was man zum Leben braucht oder auch nicht.

Noch vor einigen Jahren war das Viertel vom Mercato Centrale hinüber zur Piazza Santa Maria Novella und runter zum Lungarno noch nicht so überlaufen. Das hat sich geändert, nicht zuletzt auch deshalb, weil es in dieser, vom Zentrum fußläufig erreichbaren, Ecke gemütliche und gute Trattorien gibt. Geht man weiter runter zum Borgo Ognissanti und zum Arno findet man auch kleinere Läden mit preiswerten, hübschen Dingen.
Normalerweise zählt das Bahnhofsviertel nicht gerade zu den schönsten einer Stadt, anders in Florenz, denn hier befindet sich in unmittelbarer Nähe die Basilica di Santa Maria Novella, ein gotisches Kleinod mit einer faszinierenden Fassade. Mittlerweile ein magischer Anziehungspunkt für Florenz-Besucher.

Ebenfalls kirchlichen Ursprungs, jedoch den feinen Düften und der Schönheit zugetan, ist eine der ältesten Apotheken der Welt, die Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella. Dominikanermönche haben die Klosterapotheke 1221 gegründet. Bereits im 18. Jahrhundert wurden die dort erzeugten Lotionen und Essenzen nach Russland, China und Indien verkauft. Bis heute werden im dazugehörenden Laboratorium nur natürliche Rohstoffe verwendet. Im Mittelpunkt stehen Kräuter, die auf den Hügeln der Toskana gedeihen. In diesem sensationellen, wunderschönen Laden kann man alles was Frau, Mann, Hund und Katz schöner und glücklicher macht, einkaufen oder einfach nur die Räume besichtigen, die von wohltuenden Düften eingehüllt sind.

Florenz

Flohmarkt, Antiquitäten und Semelle…

Vorbei an kleinen Antiquitätenläden, die auch bekannt für ihre wirklich geschickten Restaurationsarbeiten sind, geht’s zur Piazza dei Ciompi. Dort findet täglich ein noch sehr urtümlicher Flohmarkt statt. Der mercato delle pulci (Flohmarkt) ist ein Eldorado für Schnäppchenjäger, wenngleich man auf der Hut sein muss, denn einige pfiffige Händler haben sich auch hier bereits auf kaufwillige Touristen eingestellt. Neben viel Krimskrams und Staubfängern können Flohmarktversierte sicherlich das eine oder andere Interessante erhaschen. Für die meisten ist es jedoch einfach nur schön dieses Handeln und Palavern um mehr oder weniger Wertvolles zu erleben. Am quirligsten geht es jeweils am letzten Sonntag im Monat zu, dann dehnt sich der Markt auch auf die umliegenden kleinen Gassen aus.

Wenn Sie irgendwo eine Menschentraube sehen, hat dort möglicherweise ein Trippaioli seinen Stand stehen. In Windeseile werden flaumige Panini aufgeschnitten und mit leckeren Lampredotto (Kutteln in einem Stück) gefüllt, entweder bagnato, mit Brühe, oder asciutto, trocken. Zum Schluss wird die schmackhafte Füllung mit Salz und Pfeffer gewürzt und je nach Wunsch mit pikanter oder grüner Sauce beträufelt. Sinnigerweise heißt diese bei den Florentinern so beliebte Straßenmahlzeit „semelle“.

Der Platz mit dem Flohmarkt und den kleinen Läden wird geprägt von der Loggia del Pesce. Dieser langgestreckte Bogengang war ursprünglich die Fischhalle von Florenz. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Loggia, die auf der heutigen «Piazza della Repubblica» stand, wegen der Altstadtsanierung schlichtweg auf die Piazza dei Ciompi versetzt.

Durch einige Gassen, in denen sich ein Schmuckgeschäft an das andere reiht, die mehr von Touristen aus aller Welt, als von Einheimischen besucht werden, kommt man nach wenigen Fußminuten zur Piazza Santa Croce mit der gleichnamigen Kirche. Alleine der Platz ist riesig und verleiht dem Aufgang zur Kirche eine majestätische Ausstrahlung. Immer am 24. Juni findet hier das Calcio in Costume statt, eine Art Fußballspiel in historischen Gewändern, dessen Ursprung aus dem15. Jahrhundert stammt.

Das prachtvolle Äußere der Kirche setzt sich im Innern fort. Der Legende nach soll Franz von Assisi selbst den Grundstein für die 1294 erbaute Franziskanerkirche gelegt haben. In der Kirche Santa Croce befinden sich die Grabmäler von Michelangelo, Rossini, Galilei und vielen anderen Berühmtheiten früherer Zeiten. Die Wände zieren herrliche Fresken und der Hochaltar wird durch das Licht von den schmalen bunten Glasfenstern eindrucksvoll in Szene gesetzt. Kunstliebhaber sollten ein bisschen Zeit einplanen, denn es gibt viel zu bestaunen, vor allem auch im dazugehörenden Kloster.

Besonders hinreißend ist es am Abend durch die belebten Straßen mit den schicken Geschäften und Cafés zu schlendern, dann haben die Tagestouristen die Stadt wieder verlassen und Einheimische und Studenten aus aller Welt sind wieder – mehr oder weniger – unter sich.

Gut zu wissen: Die de‘Medici

Um Florenz besser zu verstehen ist es hilfreich sich ein wenig mit der bewegten Geschichte der Stadt zu befassen. Den größten Einfluss auf das heutige Aussehen verdankt Florenz der römischen Bankiersfamilie «de Medici», die sich im Jahre 1397 in der Stadt am Arno niederließ.

Giovanni de Medici (1360–1429) gründete zusammen mit Familie Bardi im Jahre 1393 die erste Bank in Florenz, die «Banco Medici». Da die Geschäfte florierten und er zusehends reicher und reicher wurde, wuchs nicht nur sein Vermögen, sondern auch sein Ansehen. Er schuf die Basis, dass die Medici die mächtigste Familie der damaligen Zeit wurden. Seinem Sohn Cosimo (1389–1464) hinterließ er ein unermessliches finanzielles Erbe, das der intelligente Mann vorwiegend für Kunst und Wissenschaft einsetzte. Viele der großartigen Kunstschätze sind ihm zu verdanken. Cosimo vererbte seine Liebe zum Schönen an seinen Sohn Piero (1416–1469) und dieser weiter an seine beiden Söhne Lorenzo (1449–1492) und Giuliano (1453–1478). Piero war es dann, der sich durch undiplomatische Weise den Zorn der Florentiner zuzog. Trotz des nachfolgenden Auf und Abs der Medici, prägte die Familie die Schönheit dieser Stadt. Die letzte Medici, Anna Maria Ludovica (1667–1743), vermachte die gesamten Kunstschätze ihrer Familie der Stadt.