Florenz, prachtvolles Tor in die Toskana

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Fährt man von Bologna auf der Autostrada A 1 durch unzählige Tunnels in die Toskana, erreicht man zu allererst die magische Metropole Florenz. Um diese bezaubernde, geschichtsträchtige Stadt zu erobern, braucht man Tage.

Erst heißt es einmal mit dem Auto ins Zentrum kommen! Das kann an manchen Tagen, vor allem vormittags oder gegen Abend, längere Zeit in Anspruch nehmen. Geduld ist angesagt, betrachten Sie es als erste Lektion Italienischer Lebensphilosophie «con calma», immer mit der Ruhe. Angekommen, zum Beispiel am Mercato San Ambrogio, parken Sie am besten in der großen Tiefgarage und erobern das Viertel rundherum. Es ist nicht ganz so touristisch und eine sympathische Einstimmung auf die Stadt.

Die große Frage: Kunst, Kultur, Shopping?

Überlegen Sie sich am besten vorab was Sie sehen und in erleben möchten. Denn, obwohl das historische Zentrum relativ klein und übersichtlich ist, es gibt unendlich viel zu entdecken. Kunstliebhaber sollten nicht Stunden, sondern Tage einplanen, denn das was die Wiege der Renaissance zu bieten hat ist immens. Um Florenz besser zu verstehen ist es hilfreich sich ein wenig mit der bewegten Geschichte der Stadt zu befassen. Den größten Einfluss auf das heutige Aussehen verdankt Florenz der römischen Bankiersfamilie «de Medici», die sich im Jahre 1397 in der Stadt am Arno niederließ.

Giovanni de´Medici (1360–1429) gründete zusammen mit Familie Bardi Im Jahre 1393 die erste Bank in Florenz, die «Banco Medici». Da die Geschäfte florierten und er zusehends reicher und reicher wurde, wuchs nicht nur sein Vermögen, sondern auch sein Ansehen. Er schuf die Basis, dass die Medici die mächtigste Familie der damaligen Zeit wurde. Seinem Sohn Cosimo (1389–1464) hinterließ er ein unermessliches finanzielles Erbe, das der intelligente Mann vorwiegend für Kunst und Wissenschaft einsetzte. Viele der großartigen Kunstschätze sind ihm zu verdanken. Cosimo vererbte seine Liebe zum Schönen an seinen Sohn Piero (1416–1469) und dieser weiter an seine beiden Söhne Lorenzo (1449–1492) und Giuliano (1453–1478). Piero war es dann, der durch undiplomatische Weise sich den Zorn der Florentiner zuzog. Trotz des nachfolgenden Auf und Abs der Medici, prägte die Familie die Schönheit dieser Stadt. Die letzte Medici, Anna Maria Ludovica (1667–1743) vermachte die gesamten Kunstschätze ihrer Familie der Stadt.

Lassen Sie sich von Florenz faszinieren. Vergessen Sie aber dabei nicht sich ab und zu in einer der unzähligen Bars einen aperitivo zu gönnen, inne zu halten und einfach das Gesehene auf sich wirken zu lassen. Besonders hinreißend ist es am Abend durch die belebten Straßen mit den schicken Geschäften und Cafés zu schlendern, dann haben die Tagestouristen die Stadt wieder verlassen und Einheimische und Studenten aus aller Welt sind wieder – mehr oder weniger – unter sich.

Rund um den Mercato San Ambrogio

Der Markt ist bei den Einheimischen sehr beliebt, weil er nicht ganz so touristisch ist, wie der Mercato Centrale, das Angebot aber ebenso vielfältig. Es ist ein sympathischer Auftakt Florenz kennenzulernen.
Echtes Marktfeeling erlebt man morgens, wenn die Waren gerade frisch aufgebaut worden sind und die Hausfrauen und Gastronomen des Viertels zum Einkaufen kommen. Man kennt sich, tauscht Neuigkeiten aus, prüft die Ware und feilscht lautstark! Berge unterschiedlichster Salamisorten, fangfrische Fische und Meeresgetier, duftendes Obst und knackiges Gemüse und Pecorino in allen Reifestufen verführen. Lautes Stimmengewirr und verlockende Düfte machen den Besuch zu einem Festival der Sinne. Vor der Markhalle bieten Händler den ganzen Tag über Klamotten, Schuhe, Tischwäsche und vieles andere, was man zum Leben braucht oder auch nicht.

Flohmarkt, Antiquitäten und Semelle…

Vorbei an kleinen Antiquitätenläden, die auch bekannt für ihre wirklich geschickte Restaurationsarbeiten sind , geht’s zur Piazza dei Ciompi . Dort findet täglich ein noch sehr urtümlicher Flohmarkt statt. Der mercato delle pulci (Flohmarkt) ist ein Eldorado für Schnäppchenjäger, wenngleich man auf der Hut sein muss, denn einige pfiffige Händler haben sich auch hier bereits auf kaufwillige Touristen eingestellt. Neben viel Krimskrams und Staubfängern können Flohmarktversierte sicherlich das eine oder andere Interessante erhaschen. Für die meisten ist es jedoch einfach nur schön dieses Handeln und Palavern um mehr oder weniger Wertvolles zu erleben. Am quirligsten geht es jeweils am letzten Sonntag im Monat zu, dann dehnt sich der Markt auch auf die umliegenden kleinen Gassen aus.

Wenn Sie irgendwo eine Menschentraube sehen, hat dort möglicherweise ein Trippaioli seinen Stand stehen. In Windeseile werden flaumige Panini aufgeschnitten und mit leckeren Lampredotto (Kutteln in einem Stück) gefüllt, entweder bagnato, mit Brühe, oder asciutto, trocken. Zum Schluss wird die schmackhafte Füllung mit Salz und Pfeffer gewürzt und je nach Wunsch mit pikanter oder grüner Sauce beträufelt. Sinnigerweise heißt diese bei den Florentinern so beliebte Straßenmahlzeit semelle.

Der Platz mit dem Flohmarkt und den kleinen Läden wird geprägt von der Loggia del Pesce. Dieser langgestreckte Bogengang war ursprünglich die Fischhalle von Florenz. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Loggia, die auf der heutigen «Piazza della Repubblica» stand, wegen der Altstadtsanierung schlichtweg auf die Piazza dei Ciompi versetzt.

Durch einige Gassen in denen sich ein Schmuckgeschäft an das andere reiht, die mehr von Touristen aus aller Welt als von Einheimischen besucht werden, kommt man nach wenigen Fußminuten zur Piazza Santa Croce mit der gleichnamigen Kirche. Alleine der Platz ist riesig und verleiht dem Aufgang zur Kirche eine majestätische Ausstrahlung. Immer am 24. Juni findet hier das Calcio in Costume statt, eine Art Fußballspiel in historischen Gewändern, dessen Ursprung aus dem15. Jahrhundert stammt.

Das prachtvolle Äußere der Kirche setzt sich im Innern fort. Der Legende nach soll Franz von Assisi selbst den Grundstein für die 1294 erbaute Franziskanerkirche gelegt haben. In der Kirche Santa Croce befinden sich die Grabmäler von Michelangelo, Rossini, Galilei und vielen anderen Berühmtheiten früherer Zeiten. Die Wände zieren herrliche Fresken und der Hochaltar wird durch das Licht von den schmalen bunten Glasfenstern eindrucksvoll in Szene gesetzt. Kunstliebhaber sollten ein bisschen Zeit einplanen, denn es gibt viel zu bestaunen, vor allem auch im dazugehörenden Kloster.

Scuola del Cuoio – Die Lederschule in Santa Croce

Modebewusste Kauflustige zieht es weiter, gleich ums Eck, in die Scuola del Cuoio (Lederschule). Durch den schmalen Innenhof gelangt man, vorbei an den Lederwerkstätten über eine Treppe in die Ausstellungs- und Verkaufsräume. Entstanden ist dieses sehenswerte Lederatelier in den ehrwürdigen Klosterräumen nach dem 2. Weltkrieg. Die Familien «Gori» und «Casini» haben von den Franziskanermönchen die Einwilligung erhalten in diesem Teil des Klosters eine Lederschule zu errichten und zugleich einen passenden Rahmen für eine stilvolle Präsentation des Lederhandwerks. Heute führen Francesca Gorri und ihre Schwestern Laura und Barbara dieses Atelier, in dem großartige Designerstücke aus edelstem Leder handgefertigt werden. In der Schule kann man Kurse belegen um dieses für Florenz typische Handwerk zu erlernen und es darf auch – wie erfreulich – gekauft werden.

Keinesfalls verpassen!

  • Loggia del pesce. 1567 erbaut, damals wurden unter der Loggia auf der Piazza dei Ciompi frische Fische verkauft, um 1955 wurde die Loggia restauriert.
  • Chiesa di Santa Croce. Monumentale Basilika (1228) mit einer prachtvollen Fassade und beeindruckendem Innern. Piazza Santa Croce, Im gesamten Komplex sind Rauchen, Handy und Hunde verboten.
  • Cappella Pazzi. Zierliche Kapelle im Kloster Santa Croce, 1429¬–¬1446 Jh., mit schöner Kuppel, namhafte Künstler haben an der Dekoration der Kapelle gearbeitet.
  • Kreuzgang undMuseo dell ´Opera. Ebenfalls im Innern des Klosters Santa Croce, herrliche Kreuzgänge und das Museum, mit großartigen Kunstwerken, u. a. das Abendmahl von Taddeo Gaddi (1340).
  • Biblioteca Nazionale Centrale. Hierin befindet sich eine der größten und wertvollsten Büchersammlung der Welt, Piazza dei Cavalleggeri, www.bncf.firenze.sbn.it

Essen und trinken

  • Caffé- Enoteca Sant´Ambrogio. Beliebte Enoteca, vormittags Cappuccio, mittags Pasta oder leckere Panini, abends Aperitivo. Der perfekte Treffpunkt zu jeder Tageszeit, Piazza Sant´Ambrogio, Tel. 055 247 72 77, www.caffesantambrogio.it
  • Vivoli. Köstliches Eis aus besten Zutaten im stilvollen Ambiente, Via dell´Isola delle Stinche, 7, Tel. 055 29 23 34, www.vivoli.it
  • Trattoria Boccadama. Heimeliges Ambiente, Renaissancepalazzo, Klassische Toskaner Gerichte, Piazza Santa Croce 25/26, Tel. 055 24 36 40 http://boccadama.com
  • Enoteca Pinchiorri. Die Französin Annie Féolde, seit 1993 immer 3 Michelin-Sterne. In der Enoteca Pinchiorri zu speisen ist ein Highlight. Via Ghibellina, 87, Tel. 055 24 27 77, www.enotecapinchiorri.com, Ruhetag: So, Mo
  • Alle Murate. Fische und Meeresfrüchte modern kreiert in einem sensationellen Palazzo, der einem Museum gleicht. Via del Proconsolo 16 r, Tel. 055 24 06 18, www.artenotai.org, Ruhetag: So-Mittag, Mo
  • Baccarossa. Enoteca und Osteria mit schlichten Holztischen, mediterrane Küche, Weine auch glasweise, Via Ghibellina 46/r, Tel. 055 24 06 20, www.baccarossa.it, Ruhetag: Mo

TIPP

Dieses Viertel von Florenz ist genau das Richtige um das echte Flair dieser Stadt zu erleben, wesentlich turbulenter und touristischer wird es Richtung Dom und die Ponte Vecchio.