Die Geschichte des Weines in Italien

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Die Geschichte des Weines in Italien

Die Geschichte des Weines in Italien

Eines steht fest: Es waren weder die Römer noch die Griechen, die den Weinbau begründeten, dennoch gilt als sicher, dass das Weinland Italien auf gut und gerne 40 Jahrhunderte Weinbaugeschichte zurückblicken kann. Als die Griechen in der Antike große Teile Süditaliens besiedelten, brachten sie ihr bereits gut entwickeltes Wissen um die Weinproduktion mit und stellten fest, dass sich die neuen Ländereien vortrefflich für solche eignete. So erlangten die besiedelten Gebiete den Ruf, das “Oinotria Tellus” zu sein, das unsterbliche Land des Weines.

Weinanbau im Römischen Reich

Im Römischen Reich, welches aus der griechischen Hochkultur hervorging, wurde der Weinanbau perfektioniert und sogar stark forciert. Wein war ein beliebtes und prestigereiches Getränk der Oberschicht, die sich gerne an weißem Falerner aus der Nähe von Neapel labte, dem berühmtesten Wein der Antike.

Vielmehr war der gegorene Traubensaft jedoch auch ein wichtiger Teil der Grundversorgung der über die weitreichenden römisch besetzten Territorien verstreuten Legionärs-Truppen. So wurde praktisch in allen Ecken des Römischen Reiches Weinanbau betrieben. Daraus resultiert nicht nur, dass den Römern alle heute genutzten Weinbauflächen bekannt waren, sondern auch, dass diese wohl auch Wein in Gegenden herstellten, die wohl nur sehr bedingt dafür geeignet waren.

Die Weinreben wurden damals keinesfalls in der heutig üblichen Weise an horizontal verlaufenden Drähten aufgebunden, sondern wuchsen vor allem an Bäumen empor. Dennoch gab es erste schriftliche Abhandlungen über den Weinbau (z.B. Horaz und Vergil). Diese beschäftigten sich mit Theorien zu Erziehungs- und Aufbewahrungsformen, auch wurden bereits die ersten Traubensorten individualisiert.

Plinius spricht sogar von 80 edlen, für den Adel bestimmten Weinsorten und mehr als 100 Vertretern minderwertigerer Qualität. Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass die besseren Weine durch Erhitzen konzentriert (und demnach reich an Alkohol waren), mit Wasser gestreckt sowie mit Honig und Kräutern aromatisiert wurden. Wie die Weine der Antike jedoch wirklich schmeckten, bleibt wohl für immer ein Geheimnis.

Klöster bewahrten das Wissen

Dem Untergang des Römischen Reiches folgten Jahrhunderte der kulturellen Finsternis, auch der Weinbau war davon betroffen. Lediglich die katholischen Klöster bewahrten das Wissen und retteten die in Jahrhunderten erworbenen Kenntnisse um die Weinherstellung in die Neuzeit. Im Spätmittelalter gab es sogar bereits einige Konvente, die sich auf die Produktion hochwertiger Weine (nach damaligen Maßstäben) spezialisiert hatten (z.B. im Burgund und am mittelitalienischen Monte Cassino).

Wiederbelebung des Weinanbaus in der Renaissance

Mit Beginn der Renaissance im 14. Jahrhundert entstand eine nie gekannte kulturelle Blüte und Reichtum, der natürlich nach edlen Tropfen verlangte. So selektionierten die Winzer mit der Zeit die noch heute in den jeweiligen Gebieten kultivierten, wichtigsten Traubensorten und es entstanden mit der Zeit Weine, die noch heute unter selbigem Namen vertrieben werden (Albana di Romagna, Aleatico, Vernaccia di San Gimignano). Für den toskanischen Chianti wurde im Jahr 1716 von Cosimo de Medici sogar ein Disziplinar erlassen, dieses war das erste Weingesetz der Welt.

Im 19. Jahrhundert wurden in Italien erstmals moderne Herstellungsmethoden nach französischem Vorbild eingeführt. Nun entstanden Weine, die teilweise heute noch trinkbar sind, man denke an die großen Jahrgänge Brunello di Montalcino von Biondi-Santi in den 1880er Jahren. Natürlich war die aus den USA eingeschleppte Reblaus eine ernste Gefahr für das Weinland Italien, aber schließlich gab es ein Happy End, als jemand auf die glorreiche Idee kam, auf schädlingsresistente Wurzeln die alten Weinstöcke aufzupfropfen. Die europäische Weinproduktion war gerettet!

Der heutige Stand der Dinge

Es vergingen jedoch noch lange Jahrzehnte, bis sich Italien zu einer Weinnation mit Anspruch an Qualität entwickelte. Bis auf einzelne, passionierte Winzer (etwa im Piemont und bei Montalcino in der Toskana, Beispiele gibt es jedoch überall) produzierten die meisten Betriebe vorwiegend charakterlose Massenweine. Ein wichtiger Schritt hin zu Qualität war die Einführung der kontrollierten Ursprungsbezeichnungen DOC und DOCG, einem Disziplinar, welches auch Höchsterträge, Herstellungsverfahren und notwendige Praktiken bei gewissen Weinen (z.B. Faßreife) regelt.

Seither geht es stets bergauf mit dem Weinland Italien. Der kommerzielle Erfolg ermöglichte es den Winzern, Geld in Technologie, in den Betrieb oder in die Weinberge zu investieren und so zum großen Konkurrenten Frankreich aufzuschließen. Die Entwicklung hält noch an, inzwischen werden auch in ehemals für den Weinbau als minderwertig eingestuften Regionen Spitzenprodukte erzeugt. Sie haben noch viel vor, die Bewohner des “Oinotria Tellus”…

Jörg Fischer
Jörg Fischer
Leitung Produktmanagement, "Let it Roll".

Jörg kennt fast alle Zielgebiete wie seine Westentasche und hat fast alle Ferienhäuser und Hotels persönlich inspiziert.

Manche Dinge ändern sich, andere nicht. Für Jörg galt schon immer: Vorliebe für gutes Essen und sehr gute Weine, für komfortables Reisen sowie eine echte Abneigung gegen sportliche Betätigung. Dinge die sich ändern: So manches Hobby - erst unlängst musste die geliebte "Ducati Sportclassic" einer kleinen Sammlung an amerikanischen Gibson- und Fender-Gitarren weichen.