Das Kloster San Vivaldo in der Toskana – Göttliche Einkehr

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Das Kloster San Vivaldo in der Toskana ist eine bekannte Sehenswürdigkeit und auf jeden Fall einen Besuch im Urlaub wert, es bietet sowohl Atmosphäre als auch ein schönes Restaurant.

Ein Sonntagsgottesdienst im Kloster San Vivaldo

Juli. Sonntagmorgen in der Toskana. Renato steht mit seinem Volvo bereits unter einer großen, schattigen Steineiche und liest die berühmte rosarote Zeitung in Italien, die “Gazetta dello Sport”. Er brachte Andreina, seine Frau, und deren Mutter Maria zur sonntäglichen Messe in das benachbarte Franziskanerkloster “San Vivaldo” mit seinen berühmten Nachbildungen der Jerusalemer Kirchen. Auf dem schönen Platz vor der mit einem Portico geschmückten kleinen Klosterkapelle lärmen ein paar Kinder, deren Eltern die Klosteranlage als Ziel des Sonntagsausflugs auserkoren haben. Es ist bereits später Vormittag und die Wärme der hochstehenden Sonne wird von den gelblich getönten Mauern reflektiert. So suchen die Erwachsenen den Schatten des Porticos. Durch die leicht geöffneten Türen der Kapelle hört man Orgelspiel. Es ist Pater Luigi. Hoch über dem Altar thront er auf seiner Orgel. Lange vor Beginn der Messe verkündet er mit seinem Spiel auf seine Weise die Lobpreisung Gottes. Pater Luigi liebt diese Stunde über alles. Die Zuhörer auf der kleinen Piazza werden von den Tönen der Orgel umfangen und verspüren so die weihevolle Stimmung des Ortes.

Dieses toskanische Kloster wird nur noch von zwei älteren Mönchen bewohnt. Außer dem etwas jüngeren Pater Luigi, dem Orgelspieler, gibt es da noch den deutlich älteren Mitbruder Pater Liborio. Offensichtlich ist Pater Luigi der Prior. Er ist hochgewachsen und hager, sein Gang ist weit ausholend und federnd. Sein Auftreten hat etwas Bestimmendes, keinen Widerspruch Duldendes. Hinter seiner goldgeränderten Brille stecken Augen, die das Gegenüber durchdringen. Erblickt er während der Messe deutsche Besucher, so kokettiert er mit seinen deutschen Sprachkenntnissen. Aus den tiefen Falten seiner braunen Kutte zieht er ein kleines, abgegriffenes Büchlein – daraus liest er dann das Evangelium auf deutsch in einer akzentuierten, harten Aussprache. Man sieht ihn im Dorf Bankgeschäfte erledigen, Einkäufe besorgen, hier und dort einen kleinen Schwatz haltend. Mit Einheimischen scherzend gehört er so zum täglichen Bild dieser kleinen Gemeinde. Ganz anders Pater Liborio Seine fast 80 Jahre sind unübersehbar. Seine Gestalt ist gleichzeitig zerbrechlich, wie auch bescheiden. Er personifiziert die Demut, seine wasserblauen Augen scheuen das direkte Gegenüber und scheinen schon diesseits das Jenseits zu sehen. Alles an Pater Liborio drückt Bescheidenheit aus. Dieser Eindruck verstärkt sich noch dadurch, dass er das ganze Jahr, Sommer wie Winter, barfüßig Sandalen trägt und keine Kälte ihn dazu bringt, Socken zu verwenden. Begegnet man ihm unterwegs fern von seinem Kloster und bietet ihm an, ihn im Auto mitzunehmen, so wehrt er mürrisch ab und beschleunigt seine kleinen, leisen Schritte. So gleicht er einem scheuen Wild, welches das allzu helle Licht, den Lärm und das alltägliche Leben flüchtet.

Inzwischen füllte sich die Kapelle mit Gläubigen. Es sind nicht allzu viele. Einige ältere Frauen in einfacher Kleidung, die Haare sind gepflegt. Grauhaarige, gebräunte Männer, offensichtlich Bauern, quicklebendige Kinder, von Bank zu Bank springend, da sich hier vermutlich alle kennen. Es scheinen auch deutsche Touristen dabei zu sein. Ihre sommerliche, sonntägliche Kleidung und die helle Tönung der Haut lassen dies vermuten. Der Kirchenraum ist kühl und hell. Die Ausgestaltung einfach, wie es Franz von Assisi vorgab. Die wenigen Bänke stehen etwas unordentlich und mit großen Abständen beidseits des einschiffigen Raumes. Die Messe beginnt Mit dem Bimmeln des kleinen Glöckchens tritt aus der dunkeln Tiefe des Chorraumes Pater Liborio. Mit dem Füßen tastend findet er die kleine Stufe zum Altar und nach wenigen Schritten verschwindet seine kleine Gestalt nahezu dahinter. Gleichzeitig ertönt mit einem Brausen die Orgel und mit mächtiger Stentorstimme übertönt Pater Luigi die Eröffnungsgebete des Priesters. Gescharre, unterdrücktes Reden der Gläubigen, disziplinierende kurze Anweisungen der Mütter an die Kinder bilden den Wechsel zu den Gebeten. Pater Liborio ist bei seiner kurzen Predigt angekommen. Mit leiser Stimme verkündet er schnell redend die Botschaft Gottes.

Inzwischen steigt Pater Luigi von seiner Orgel herunter und betritt einen kleinen Nebenraum in der Mitte der Kapelle. Dort begibt er sich in den einfachen Beichtstuhl. Ein junger, schwarzlockiger Mann in Jeans und Hemd, wie auch zwei Frauen nutzen die Gelegenheit, ihr Gewissen zu erleichtern. Eine struppige, rot-weiß scheckige Katze schleicht sich durch die offene Tür den Mittelgang entlang, dreht sich im Halbkreis, dehnt sich, erklimmt eine Bank, wo es ihr offenbar nicht gefällt, und mit einem Satz landet sie auf der ersten Bank. Für die drei dort befindlichen Kinder ist dies eine willkommene Abwechslung. Das begonnene Spiel mit der Katze unterbricht der Organist, indem er die Katze nimmt und durch eine Türe des Chores entläßt. Schon vor Ende der Messe verlassen die Gläubigen ihre Plätze, einige entzünden Kerzen vor den Altären und rasch leert sich die Kirche.

Die Sonne blendet beim Heraustreten Von der nur wenige Meter entfernten Trattoria “Il Focolare”, dem ehemaligen Klosterkeller, wehen aus den geöffneten Küchenfenstern verführerische Schwaden köstlicher Speisen. Der kleine, behende “Cameriere”, korrekt gekleidet in schwarzer Hose, weißem Hemd und gestreifter Weste, öffnet die Türe zum Restaurant. Unsere Sinne signalisieren Appetit und Hunger. Just in diesem Augenblick spricht Maria das von uns schon ersehnte “Volete mangiare con noi?” (Wollt ihr mit uns essen?) – “Volontieri”, gerne, ist unsere Antwort. Elio, Marias Mann, der zu Hause blieb, wartet schon recht ungeduldig und mit leerem Magen auf das sonntägliche Mahl. Schnell wird auf der schattigen Terrasse der lange Tisch gedeckt. Dann warten Crostini, Spaghetti al pomodoro, junge gebratene Täubchen, patate al forno, frischer Salat, Obst, begleitet von Elios eigenem leichten Rotwein, viel Mineralwasser und zum Abschluss der obligatorische Cafè auf uns… Maria und Elio sind “Selbstversorger”. Nahezu alles, was wir zu uns nehmen, kommt aus der eigenen kleinen Landwirtschaft. Leicht benebelt vom Wein der Toskana, welcher in der sommerlichen Wärme seine Wirkung zeigt, suchen wir unser Ferienhaus auf und halten ausgiebige Siesta.

Karl Fischer
Karl Fischer
Gründer, "Der Artifex".

Karl Fischer war schon immer ein sehr umtriebiger Mensch, auf seine ureigene, sympathische Art und Weise. Der geborene Allgäuer hat auch immer konsequent das Credo verfolgt, authentisch und lebensbejahend zu sein, immer mit beiden Beinen (Füßen - würde er sagen) auf dem Boden bleibend. Es war tatsächlich Karl Fischer, der 1983 die Geschäftsidee mit der Agentur für Ferienwohnungen hatte und es war Karl Fischer, der konsequent die Infrastruktur für den Erfolg der Firma schuf.