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Prosecco

“Wenn Prosecco ein Mensch wäre – er würde zu jeder Party eingeladen. Er hätte massenhaft Freunde auf Facebook, aber wahrscheinlich keine peinlichen Fotos. Nur manche Leute hielten ihm für oberflächlich.” Das ist die kurze und zugleich originelle Charakterisierung des Weinjournalisten Stephen Mauss über den Modewein aus der norditalienischen Region Venetien.

Weiter im Text: “Der venezianische Schäumer versprüht nämlich notorisch gute Laune und ist dabei so leicht, dass ein Glas mehr noch keinem geschadet hat. Kritiker halten seine blumig-fruchtige Art für langweilig.” Soweit die Worte des Wein-Journalisten.

Tatsächlich ist es so, dass der Prosecco ein wirklich sehr zugängliches Getränk ist, seine leichte Art und das angenehme Prickeln macht ihn bei fast jeder Gelegenheit zur perfekten Wahl. Ob ein Gläschen zum späten Frühstück, kurz danach als Aperitif, am Nachmittag auf der Sommerterrasse, zum Anstoßen auf den Geburtstag eines Kollegen, auf der After-Work-Party oder als bekömmliche Alternative zu einem spätabendlichen Cocktail. Eine Flasche Prosecco passt immer und erfreut sich steigender Beliebtheit; mit seinem moderaten Alkoholgehalt ist er zudem sehr bekömmlich.

Herkunft

Dabei ist kaum jemandem bekannt, was es mit der Bezeichnung “Prosecco” auf sich hat, geschweige denn, wo der Schaumwein an- und ausgebaut wird. So gut wie niemand weiß, dass Prosecco der Name einer Traubensorte ist und keinesfalls, wie üblich angenommen wird, ein Synonym für trockenen Schaumwein in der preislichen Mittelklasse.

Ursprünglich stammt die Traubensorte aus dem Friaul, hat sich jedoch im Laufe der Zeit im Nordosten Italiens sehr verbreitet und fand vor allem in der malerischen Hügellandschaft westlich von Treviso ideale Bedingungen. Dort wiederum ist die Traubensorte Prosecco auch als “Glera” bekannt. Unterschiede gibt es keine. Jedenfalls werden aus der besagten Sorte drei verschiedene Arten von Wein hergestellt: “Frizzante” (moussierend), “Spumante” hingegen ist gleichbedeutend mit Sekt und schließlich – was viele überraschen wird – gibt es den Prosecco auch “Tranquillo”, das heißt als ganz normalen Weißwein.

Entwicklung

Bis der Boom für den Tropfen aus Venetien einsetzte, kamen so gut wie alle Prosecco-Erzeugnisse aus der besagten Gegend, deren bekannteste Gemeindegebiete  Valdobbiadene und Conegliano sind, gleichzeitig Herkunftsbezeichnung für die besten Weine der Region. Nachdem der Prosecco etwa Mitte der 1990er Jahre zum Modegetränk wurde, fanden sich sehr schnell Nachahmer und billige Kopien des italienischen Qualitätsproduktes. Der Höhepunkt dieser Traurigkeit war ein in Dosen abgefülltes, mit Fruchtsirup aromatisiertes Getränk, welches von Paris Hilton beworben wurde. Zudem waren mehr oder weniger ominöse Flaschen mit Aufschriften wie “Secco” oder “ProSec” unterwegs.

Vor gut 20 Jahren machten es die Weinbauern und Produzenten der Champagne vor und statuierten ein Exempel: Die Bezeichnung “Champagne” und ähnlich lautende Begriffe durften nicht mehr in Verbindung mit Wein gebracht werden, sofern dieser nicht aus der besagten Region stammt. Dieser Forderung kam der Europäische Gerichtshof nach und heute gilt für alle Schaumweine mit der Aufschrift “Champagne”, dass diese ausschließlich aus der Champagne stammen.

Den gleichen Weg gingen erst kürzlich Politiker und Produzenten aus Venetien und erreichten dasselbe Ziel. Heute ist “Prosecco” ein geschützter Begriff, der ausschließlich für Weine reserviert ist, die, still oder schäumend, aus einem eng umgrenzten Anbaugebiet stammen.

Qualität

Der Charakter des gefälligen Schaumweines aus Venetien wird von Kritikern oft als zu neutral und langweilig beschrieben. Sicherlich ist eine Vielzahl der produzierten Prosecco-Weine nicht gerade die perfekte Wahl für ausgewiesene Weinexperten. Jedoch gibt es auch hier Ausnahmen und einzelne Produzenten stellen exquisite Tropfen her, die auch anspruchsvolle Gaumen befriedigen dürften.

Es ist aber schon richtig, dass das Gros der sich im Handel befindlichen Weine eher banal und für ein breites Publikum bestimmt ist. Fairerweise muss man ja auch sagen dass sich die meisten Prosecco-Weine im Preissegment bis zehn Euro befinden – für einen anspruchsvollen Prosecco bezahlt man etwa 15 bis 18 Euro. Sicher ist, dass auch die günstigeren Prosecco gerade aufgrund ihrer Leichtigkeit die Stimmung heben und einen Hauch italienischer Lebensart in den Alltag bringen. Milde Kohlensäure anstatt nervendes Geblubber, fruchtige Frische anstatt aggressiver Säure. Dazu kommt noch, dass viele Prosecco-Weine über etwas Restsüße verfügen, was gerade die weiblichen Konsumenten anspricht.

Das Prosecco-Gebiet

Unerwartet schön ist hingegen auch die Landschaft aus der die berühmten Weine stammen. Die Weinberge wurden auf den steilen Hängen der malerischen Landschaft angelegt, und folgt man der Weinstraße “Strada del Prosecco“, durchquert man zahlreiche zauberhafte Dörfer im venezianischen Stil. Die getünchten Steinfassaden leuchten ockerfarben oder ziegelrot, die spitzen Kirchtürme und die quadratisch angelegten Marktplätze zeugen von der ehemaligen Zugehörigkeit zum Habsburgerreich, zu welchem Venetien bis Anfang des 19. Jahrhunderts gehörte. Genau diese Mischung aus austro-ungarischer Architektur und italienischer Verspieltheit macht einen guten Teil des Charmes der Region aus.

Das Prosecco-Gebiet wird im Westen durch das Städtchen Valdobbiadene markiert, den östlichen Abschluss bildet Conegliano, eine unbedingt sehenswerte Kleinstadt. Dort gibt es übrigens eine der ältesten und größten Weinbauschulen Italiens. Zwischen diesen beiden Markierungen liegt das Herzstück der Prosecco-Produktion, von hier kommen die besten Weine. Seit Anfang der 1950er Jahre wird der Prosecco, wie wir ihn heute kennen, produziert, nachdem ein Winzer aus Valdobbiadene die damals neuartige Tankgärung eingeführt hat. Die Trauben aus den genannten Gemarkungen sind reifer und komplexer als diejenigen welche weiter nordöstlich angebaut werden. In einem guten Prosecco riecht man Äpfel und Birnen, manchmal auch exotische Frucht. Teilweise nimmt man am Gaumen etwas Restsüße wahr, manchmal sind die Weine im klassischen Sinne trocken.

Das Herz der Prosecco-Produktion bildet ein Weinberg namens “Cartizze”. Die besondere Bodenstruktur aus Mergel, Sandstein und Lehm, die südwestliche Ausrichtung und die an ein Amphitheater erinnernde Form der Lage schaffen beste Voraussetzungen für die Produktion eines Spitzenweines. In diesem Kessel fängt sich die Sonne, konzentriert sich die Wärme – beide Elemente sorgen dafür, dass die Trauben besonders ausreifen. Das Ergebnis sind besonders filigrane, elegante und komplexe Weine, deren Preise schon im Bereich der unteren Champagner-Mittelklasse liegen. Nur Prosecco-Weine, deren gesamtes Traubenmaterial aus dem besagten Weinberg stammen, dürfen die Bezeichnung “Cartizze” tragen. Auch Kritiker des Prosecco werden hier schwach und stimmen ein in das Loblied über diese großartigen Schaumweine.

Was macht einen Prosecco aus?

Idealerweise könnte man einen besonders guten Tropfen so beschreiben: Das Glas enthält eine spiegelnde, strohgelbe Flüssigkeit mit feiner Perlage, es duftet nach reifen Äpfeln, Birnen und Aprikosen, das Aroma gibt auch Noten von Mandelblüten und Rosenblättern frei. Kostet man davon, fühlt sich der Wein im Mund cremig und weich an, was man eben noch gerochen hat, nimmt man jetzt auch geschmacklich wahr. Dennoch ist der Genuss prickelnd und erfrischend, eine elegante Säure schmeichelt der Zunge und sorgt für leichten, angenehmen Speichelfluss.

Weinexperten nennen solche Weine die perfekten Appetitanreger und aus diesem Grund eignet sich der Prosecco ideal als Aperitif. Genau das ist das Geheimrezept dieses venezianischen Schmeichlers, der damit seinen Weg zum zweitbeliebtesten unter den alkoholisch-schäumenden Getränken gemacht hat. Gerade in Deutschland ist die Erfolgsgeschichte des Prosecco eine einzigartige. Wohl in keinem anderen Land der Welt, außer Italien, genießt der Wein ähnliche Popularität. Ähnlich ist es in der Schweiz und in Österreich, zur Zeit wächst außerdem im Besonderen der amerikanische Markt. Nur Franzosen und Spanier bleiben ihren nationalen Produkten treu. Übrigens feierte der amerikanische Präsident Barack Obama seine Amtseinführung mit venezianischem Prosecco!

In Deutschland wird deutlich mehr Prosecco als Winzersekt getrunken, wobei nur ein kleiner Teil der Weine aus dem prestigereichen Gebiet um Conegliano stammen. Selbstverständlich gibt es auch unter den Prosecco-Produzenten einige schwarze Schafe, die sich herabgelassen haben, billige Weine in Massenproduktion herzustellen. Genau diese findet man für wenige Euro in den Regalen der Discounter. Qualität darf man hier nicht erwarten, vielmehr geht es nur darum, die Bezeichnung “Prosecco” auf dem Etikett zu tragen, der Inhalt ist zweitrangig.

Ein Trend der letzten Jahre ist die Verwendung von Prosecco als Hauptkomponente im  “Aperol-Sprizz”. Der Sprizz ist wohl einer der zur Zeit angesagtesten Drinks, das einfache Geheimnis des Erfolgs ist eine Mischung aus dem rot eingefärbten, süßen und leicht alkoholischen Getränk namens Aperol, aufgefüllt mit Prosecco, etwas Eis und einer Orangenscheibe. Hierfür lohnt es sich gewiss nicht, einen echten “Cartizze” zu verwenden.

Im Folgenden noch eine Liste empfehlenswerter Prosecco-Produzenten. Diese sind allesamt bekannt für die Qualität ihrer Weine, alles Winzerbetriebe, die ihre Weinberge von Hand bewirtschaften und mit kleinen Erträgen große Weine herstellen:

Adami www.adamispumanti.it

Bisol www.bisol.it

Bortolomiol  www.bortolomiol.com

Case Bianche www.casebianche.it

Col Vetoraz www.colvetoraz.com

La Farra www.lafarra.it

La Tordera www.latordera.it

Le Colture www.lecolture.it

Silvano Follador www.silvanofollador.it

Sorelle Bronca www.sorellebronca.com

Perlage www.perlagewines.com

Im Prosecco-Gebiet ist es auch durchaus noch möglich, unangemeldet die Kellereien zu besuchen und sich durch die angebotene Vielfalt an Prosecco-Weinen zu trinken. Im Frühjahr und im Herbst finden auch örtliche Veranstaltungen zum Thema Wein und Weinlese statt, manchmal sind das ausgelassene Feste, manchmal ernsthafte Profi-Verkostungen. Jedenfalls ist die Region, diese wunderhübsche Hügellandschaft, einen Besuch wert. Auch die regionale Küche ist vom feinsten und trotz des offensichtlichen Reichtums der Region sind die Preise überraschend moderat. Ein echter Geheimtipp für den Urlaub oder ein verlängertes Wochenende!

Jörg Fischer
Jörg Fischer
Leitung Produktmanagement, "Let it Roll".

Jörg kennt fast alle Zielgebiete wie seine Westentasche und hat fast alle Ferienhäuser und Hotels persönlich inspiziert.

Manche Dinge ändern sich, andere nicht. Für Jörg galt schon immer: Vorliebe für gutes Essen und sehr gute Weine, für komfortables Reisen sowie eine echte Abneigung gegen sportliche Betätigung. Dinge die sich ändern: So manches Hobby - erst unlängst musste die geliebte "Ducati Sportclassic" einer kleinen Sammlung an amerikanischen Gibson- und Fender-Gitarren weichen.