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Ein Reisebericht über die Toskana

Knapp 700 Kilometer sind es von meiner süddeutschen Wahlheimat aus bis zu der gemieteten Ferienvilla in der Nähe von San Gimignano, der Stadt der Tausend Türme, dem Manhattan des Mittelalters. Ein entspannter Urlaub im Freundeskreis soll es werden, 4 Paare sind wir, vorgenommen haben wir uns wenig und doch so viel: Land und Leute zu erkunden, die Küche und die Weine zu kosten, Kultur und Lebensart kennenzulernen

Und dabei auch die Seele baumeln lassen! Eine Tasche voller Bücher liegt im Kofferraum, in Gedanken sitze ich im Liegestuhl unter einer schattigen Laube, liege in einer Hängematte, plätschere im Swimming-Pool… Mit diesen Bildern im Kopf rauschen wir die “Autosole” entlang, die meistbefahrene Autobahn Italiens, welche von Mailand nach Rom führt. Die Zeit vergeht wie im Fluge, das Licht wird immer weicher, wärmer, die Sonne heißer, es riecht nach Süden, nach Urlaub, scheinbar unendliche 14 Tage liegen vor uns.

Nach knapp acht Stunden Fahrt erreichen wir unser Feriendomizil, ein schönes Haus mit Natursteinwänden, frisch renoviert, geschmackvoll und hochwertig eingerichtet, fünf Schlafzimmer, vier Bäder, ein großer Wohnraum mit offenem Kamin, eine nagelneue Küche mit Feuerstelle, eine tolle, überdachte Veranda mit schönen Holzmöbeln sowie großem Marmortisch und Weber-Grill, ein 8×16 Meter großer Swimming-Pool mit Strandliegen, umsäumt von gepflegtem Rasen. Unser Blick schweift auf eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch: Hügel, Zypressen, Bauernhöfe, Weinberge, Olivenhaine – was will man mehr?

Gut, billig war es nicht, aber schließlich ist es unser Sommerurlaub! Und da wir die Gesamtmiete durch acht Personen teilen, ist es im Grunde genommen gar nicht so teuer, jedenfalls nicht teurer als ein passables 3-Sterne-Hotel und da hätten wir niemals denselben Komfort und die Abgeschiedenheit, nach der wir alle uns so sehr sehnen. Wir leisten uns sogar den Luxus, alle zwei Tage eine Zugehfrau kommen zu lassen; diese wechselt dann Wäsche und Handtücher und bringt die Küche in Ordnung, herrlich! Wir haben auch bereits im Voraus für zwei Abende eine Köchin engagiert, die uns ein toskanisches Menü kochen wird, mit allem Drum und Dran, mit Weinen und Service – für 35 Euro pro Person, man stelle sich das vor! Jedenfalls freuen wir uns auf diese Ferien wie ein kleines Kind auf den Weihnachtsmann.

Der Weg zum Ferienhaus besteht auf den letzten paar hundert Metern aus einer Schotterstraße, aber unser Auto nimmt das gleichmütig hin. Die mitreisenden Freunde fahren einen SUV und brausen vor uns den Weg hinauf, wir werden vom Staub buchstäblich eingenebelt – da wird zur Strafe wohl eine Gratis-Wäsche in der Waschanlage fällig… Parkplätze sind am Haus ausreichend vorhanden und sogar glücklicherweise überdacht. Wir sind mit drei Fahrzeugen angereist – mein Gott, wieviel Gepäck! Dabei hatten wir eigentlich geplant, zusätzlich kistenweise Wein, Olivenöl und andere Leckereien mit nach Hause zu nehmen. Wo wir das unterbringen werden, ist mir in diesem Moment noch ein Rätsel.

Am Haus wartet ein freundlicher, älterer Herr auf uns, er spricht kein Wort englisch (geschweige denn deutsch), aber irgendwie klappt es trotzdem. Giulio heißt der Mann, wir verständigen uns mit Zeichen und Gebärdensprache, er ist der Vater des Vermieters, dieser ist Arzt und leistet an unserem Anreisetag Dienst in der Klinik.

Nachdem wir mit den wichtigsten Informationen und Rufnummern versorgt sind, wird endlich ausgepackt!

Ein Ausflug in die Region Garfagnana nördlich von Lucca 

Unser erster Halt ist die im 11. Jahrhundert erbaute “Ponte del Diavolo” oder “Teufelsbrücke” in der Nähe von Borgo a Mozzano. Die Legende besagt, dass der Baumeister, aus Angst, er würde die Auftragsarbeit nicht rechtzeitig beenden, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Der Teufel sagte ihm seine Hilfe zu, um die Brücke über Nacht fertigzustellen. Im Gegenzug dafür sollte er die erste Seele erhalten, welche die Brücke am folgenden Tag überquert. Der schlaue Baumeister trickste den Teufel jedoch aus, indem er am frühen Morgen als erstes einen Hund über die Brücke jagte! Jedenfalls ist die “Ponte del Diavolo” eine unbedingte Sehenswürdigkeit!

Der nächste Stopp ist Bagni di Lucca. An diesem Sonntagnachmittag ist es sehr ruhig und keiner von uns hat sich informiert, was die touristischen Sehenswürdigkeiten dieser Ortschaft sind. Wir wandern daher ziellos umher, es ist sehr heiß und wir sind in kürzester Zeit müde und geschafft. Aber ein leckeres Eis erfrischt uns und sorgt für schnelle Besserung der allgemeinen Stimmung.

Wir fahren weiter nach Barga, einem idyllischen Bergdorf. Nach dem Mittagessen, einer Pasta mit Speck, Tomaten und Zwiebeln, begleitet von einem Glas frischen, kühlen Weißwein, steigen wir den Weg zur hochgelegenen Kirche aus dem 11. Jahrhundert empor. Die Aussicht ist fantastisch! Anschließend schlendern wir durch das historische Zentrum von Barga mit seinen unzähligen Kirchen und Kunstgalerien.

Die nächste Station unserer Rundfahrt ist Castelnuovo di Garfagnana. Zu unserer großen Freude ist Markttag und wir lassen uns durch das Gewühl von Menschen treiben. Herrlich, diese bunte Mischung aus Ramsch und Kitsch, aber zwischendrin immer wieder ein Marktstand mit qualitativ guter Ware, sei es Bade- und Bettwäsche, aber auch Bekleidung. An einem Stand entdecke ich ein Paar einfacher, aber sehr schöner Sommersandalen, wie man sie in den Filmen der 1960er Jahre an Sophia Loren sieht. Kurze Anprobe, ein wenig Feilschen gehört dazu und für 25 Euro sind die Schuhe mein!

Der Schreck folgt aber auf den Fuß: Nach wenigen Minuten stelle ich den Verlust meiner Spiegelreflex-Kamera fest! Panik bricht aus und schnell ist man mit Vorurteilen bei der Hand – natürlich geklaut! Ziemlich beschämt bin ich dann, als plötzlich der Schuhverkäufer auftaucht mit der Kamera in der Hand, er hatte uns auf dem ganzen Marktplatz gesucht, denn ich hatte die Kamera auf einem Stapel Schuhkartons deponiert und dort vergessen. “Signora, ecco  la Sua macchina fotografica!” Einen Finderlohn lehnt der nette Mann kategorisch ab.

Nun macht sich langsam etwas Erschöpfung breit und wir sind alle glücklich und zufrieden, als wir gegen Abend wieder unser Ferienhaus erreichen. Nach einer Dusche und einem erfrischenden Bad im Swimming-Pool dauert es nur kurze Zeit, bis die Glut im Grill dicke Brotscheiben anröstet, die wir anschließend mit Knoblauch bestreichen und mit Olivenöl beträufeln, dazu gibt es einen schönen, kräftigen Chianti. Und gleich kommen die Steaks auf den Rost…

Ein Ausflug in die Cinque Terre 

Unser Navigationsgerät zeigt uns zwar über zwei Stunden Fahrzeit an, jedoch wollen wir es uns nicht nehmen lassen, die sagenumwobenen Cinque Terre am südöstlichen Zipfel von Ligurien zu besuchen. Wir habe uns bereits erkundigt, welche Art der Anreise die sinnvollste ist. Wir beschließen, bis Portovenere, südlich der Cinque Terre gelegen, mit dem Auto zu fahren und dann ein Tagesticket der “Linea dei Golfi”, einer regelmäßig verkehrenden Schiffslinie, zu lösen. Die Boote fahren etwa stündlich und halten in allen Häfen der fünf zu den Cinque Terre gehörenden Ortschaften. Als Alternative wäre auch Zugfahren möglich, jedoch macht eine Schiffstour mehr Spaß und schließlich sieht man die eindrucksvolle Küste von der Wasserseite aus wesentlich besser.

In Portovenere finden wir zu früher Stunde (wir sind bereits um 9.00 Uhr da) schnell einen Parkplatz und eilen zum Hafen. Gerade legt ein Boot ab und wir schaffen es noch, die Tagestickets zu besorgen – für ca. 25 Euro pro Person kann man den ganzen Tag an jeder Station ein- und aussteigen.

In Riomaggiore verlassen wir zum ersten Mal das Schiff und kehren in einer Bar am Hafen zum Frühstück ein. Es gibt Panini mit Tomaten und Mozzarella, Croissants, erstklassigen Cappuccino und frisch gepressten Orangensaft. Dazu einen phänomenalen Blick von der kleinen Terrasse der Bar auf das offene Meer. Der Eigentümer der Bar gibt uns den Tipp, die nächste Ortschaft (Manarola) per pedes auf der “Via dell’Amore” zu erreichen, das wären nur 20 Minuten zu Fuß. Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg und erreichen nach der angegebenen Zeit den hübschen Ort Manarola, der uns mit seinen farbigen Häusern besser gefällt als Riomaggiore.

Wir besteigen nun wieder ein Schiff und wollen nach Vernazza, laut Reiseführer dem idyllischsten Örtchen der Cinque Terre – was ich nur bestätigen kann. Vernazza ist ein Wirrwarr verschachtelter Häuschen, die allesamt an einem Felsen zu kleben scheinen. In einer kleinen Trattoria essen wir hervorragende Nudeln mit – natürlich – ligurischem Pesto. Dieser wird uns mit kleinen Kartoffelstückchen und grünen Bohnen serviert, der Kellner bedeutet uns, das wäre das wahre Pesto-Rezept. Dazu trinken wir einen fruchtigen Vermentino aus der Gegend, der uns sehr gut schmeckt.

Nach dem Essen gönnen wir uns ein halbstündiges Sonnenbad, bis wir aus der Ferne ein Schiff herannahen sehen, das uns nach Monterosso bringen soll, der nördlichsten und größten Ortschaft der Cinque Terre. Aber welch Enttäuschung nach der Ankunft in Monterosso: Man merkt, dass hier Touristengruppen mit Bussen herangekarrt werden, ein Souvenirladen reiht sich an den anderen, es ist laut und geht sehr geschäftig zu.

So machen wir uns schnell wieder auf, um mit dem Schiff zurück nach Portovenere zu fahren, eine schöne, lange Passage, wir sitzen lässig auf dem Boot, genießen die Fahrt und lassen uns die Meeresbrise um die Nase streichen – und freuen uns schon wieder auf unser schönes Refugium bei San Gimignano.

Ein Tagesausflug nach Siena 

Auf diesen Tag freue ich mich fast am meisten. Habe ich doch – sozusagen als Einstimmung in den Urlaub – erst unlängst den “Palio der toten Reiter” vom Krimi-Autorenpaar Fruttero & Lucentini gelesen und kann es kaum erwarten, die im Buch so detailliert beschriebenen Original-Schauplätze zu sehen. Obwohl ich früher schon einmal in der Toskana war, habe ich Siena noch nie gesehen! So wappne ich mich schon am frühen Morgen mit Reiseführer und frisch geladener Digitalkamera und dränge meine Mitreisenden zum Aufbruch.

Nachdem wir unweit der Stadtmauern einen Parkplatz gefunden haben, stehen wir bereits nach einer Viertelstunde auf der Piazza del Campo und ich kann nur sagen – der Platz ist wirklich beeindruckend. Mit seiner muschelartigen Form ist er wie gemacht für das weltberühmte, traditionsreiche Pferderennen aus dem Mittelalter, den Palio. Ich sauge die Eindrücke förmlich in mich auf und überrede den Rest der Gruppe, in einem der sündhaft teuren Straßencafés an der Piazza einen Cappuccino zu uns zu nehmen. Ich genieße die Zeit und sehe genussvoll dem Treiben der Menschen zu, die sich auf dem Platz tummeln.

Anschließend geht es weiter zum “gestreiften” Dom von Siena, der abwechselnd aus schwarzem und weißem Marmor erbaut wurde und ein architektonisches Meisterwerk von außen sowie ein künstlerisches Wunder von innen darstellt. Danach schlendern wir durch die Straßen und Gässchen, vorbei am Geburtshaus der heiligen Santa Katharina, einer noblen Dame aus edlem Geschlecht.

Zum Mittagessen kehren wir in einer kleinen Trattoria ein, die im Slow Food-Restaurantführer “Osterie d’Italia” empfohlen wird. Wir genießen eine erstklassige Pasta mit Kaninchenragout und trinken dazu den frischen Weißwein aus San Gimignano, die “Vernaccia di San Gimignano”. Den obligatorischen Espresso nach dem Essen nehmen wir ausnahmsweise nicht im Lokal ein, sondern in der “Pasticceria Nannini“, dem Elternhaus der von mir so verehrten Sängerin Gianna Nannini (mein Lieblingssong ist übrigens nicht “Bello e Impossibile”, sondern “America”, ihr erster großer Hit – da kommt die Rockröhre so richtig raus, die Gianna Nannini eigentlich ist). Die Nannini-Bar liegt übrigens an der “Banchi di Sopra”, eher eine breite Gasse als eine Straße und hier sind auch die meisten Geschäfte, doch das Thema “Shopping” haben wir für einen anderen Tag geplant.

Zum Schluss besichtigen wir noch das mächtige Rathaus an der Piazza del Campo samt Besteigung des Rathausturms, von welchem wir zwar eine grandiose Sicht genießen, jedoch auch völlig geschafft wieder herunter kommen. Jetzt heißt es, so schnell wie nur möglich zum Auto zu kommen und ab nach Hause … in das kühle Nass unseres Swimming-Pools!

Auf dem Wochenmarkt in San Gimignano

Heute planen wir lediglich, in das nahegelegene San Gimignano zu fahren – denn es ist Markttag! San Gimignano wird wegen seiner zahlreichen, hoch aufragenden Geschlechtertürme auch das “Manhattan des Mittelalters” genannt. In seiner Blütezeit zwischen 11. und 14. Jahrhundert gab es sage und schreibe 72 Türme, die von den einflussreichsten und mächtigsten Familien oder Kaufleuten errichtet wurden, um die eigene Macht, den Reichtum und Stärke zu zeigen. Dabei gab es nur eine Regel: Kein Turm durfte höher als der Turm des Rathauses sein!

Heute sind noch 12 Türme übrig, die schon seit über 500 Jahren unter Denkmalschutz stehen. Übrigens waren solche Geschlechtertürme im Mittelalter in den meisten Städten üblich, nur hat man sie dort, anderen architektonischen Tendenzen folgend, wieder abgebrochen, während San Gimignano im 15. Jahrhundert stark an wirtschaftlicher Wichtigkeit und Macht verlor und deshalb die Entwicklung der Stadt über einen längeren Zeitraum stagnierte. Danach sorgte der erwähnte Denkmalschutz für die Erhaltung der Türme.

Nur einer der Türme ist öffentlich begehbar, der so genannte “Torre Grossa”. Von dessen Spitze aus bietet sich ein herrlicher Blick über die Altstadt und die umliegende toskanische Landschaft. Aber um ehrlich zu sein – nach der Strapaze in Siena haben wir uns eine weitere, mühselige Turmbesteigung erspart; den Tipp zur “Torre Grossa” und den Ausblick gab uns der freundliche Kellner einer Wein-Bar, in der wir zu Mittag aßen (die “Osteria del Carcere” auf dem Platz mit dem Brunnen, der Piazza della Cisterna). Gewiss hat er recht!

Zurück zum Beginn unseres Ausfluges: Wir fahren also zeitig die wenigen Kilometer nach San Gimignano und parken am Rande der Stadt auf einem öffentlichen Parkplatz. Natürlich ist die vollständig von einer mächtigen Mauer umgebene Altstadt autofreie Zone. Der Markt findet auch nicht innerhalb der Stadtmauern statt, sondern direkt auf dem Platz vor dem südöstlichen Haupt-Eingangstor zum historischen Zentrum. Ehrlich gesagt, ist der Markt an sich eigentlich nichts Besonderes, in etwa so wie alle italienischen Märkte und so entscheiden wir uns, etwas durch die Altstadt zu schlendern.

Auf der Piazza della Cisterna gibt es auf der Seite der Hauptstraße eine berühmte, preisgekrönte Gelateria (Eisdiele). Wir erstehen eine ordentliche Portion, bewundern die Fotos mit prominenten Kunden der Eisdiele und lassen uns schließlich auf den Stufen des  alten Ziehbrunnens nieder, wo wir die leckere Eiscreme genießen.

Schließlich begeben wir uns noch auf den Pfad der kulturellen Ergötzung und besuchen die “Collegiata Santa Maria Assunta”, eine romanische Kirche am Domplatz, sowie eine wirklich sehenswerte, private Kunstgalerie etwas abseits der Hauptstraße. Nun merken wir, dass der Strom an Touristen deutlich zunimmt, offensichtlich haben sich mehrere Reisebusse ihrer Ladung entledigt und die Stadt wird richtig voll. Wir flüchten also, wie gesagt, in die “Osteria del Carcere”, in der wir ein leichtes Mittagsmahl und etwas zu viel Wein zu uns nehmen. Aber es ist ja nicht weit zu unserem Ferienhaus und es erwartet uns ein entspannter Nachmittag am Swimming-Pool…

Florenz

Dies wird mein dritter Besuch in Florenz sein, einer meiner Lieblings-Städte in Europa. Letztes Jahr erst war ich während eines verlängerten Wochenendes für vier Tage dort. Das war damals im Frühjahr, wohl die beste Reisezeit für Stadtbesichtigungen – denn heute Morgen zeigt das Thermometer bereits um acht Uhr stolze 23 Grad an, der Himmel ist wolkenfrei und es verspricht ein heißer Tag zu werden. Natürlich lassen wir es uns trotzdem nicht nehmen, die toskanische Hauptstadt zu besuchen.

Für meine Freunde ist es der erste Florenz-Besuch und in ihren Augen gelte ich sozusagen als Expertin – wohl deshalb, weil ich sie mit begeisterten Erzählungen über diese traumhafte Stadt auf unseren Ausflug eingestimmt habe.

Um Punkt 8.00 Uhr zieht also eine kleine Karawane Richtung Florenz, die Fahrzeit wird beträgt etwa 1 Stunde. Das Problem Parkplatz hatte ich schon im Voraus per Internetrecherche zu lösen versucht und mir zwei Parkgaragen notiert, unser Navigationsgerät leitet uns jetzt zur ersten Adresse. Die Parkgarage befindet sich in der Nähe des Hauptbahnhofs, der wiederum unmittelbar im Zentrum der Stadt liegt. Die Gebühren sind laut Internetseite des Garagenbetreibers mit 4 Euro pro Stunde recht saftig, dafür steht der Wagen sicher und zentral. Ich hatte nämlich in verschiedenen Internet-Reiseforen gelesen, dass widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge von den Florentiner Polizisten gnadenlos abgeschleppt werden und man mit einer Strafe von mindestens 250 Euro rechnen muss.

Als wir gegen 9.00 Uhr die Stadt erreichen, überrascht es uns, dass das befürchtete Verkehrschaos ausbleibt. Das mag wohl daran liegen, dass gerade auch in Italien Sommerferien sind und viele Betriebe und Firmen geschlossen haben. So erreichen wir schnell und sicher die angepeilte Parkgarage und lassen vertrauensvoll Fahrzeug samt Schlüssel dem Parkwächter, der unsere Autos einparken wird, was angesichts der Enge in der Garage wohl etwas Übung erfordert. Um ein Maximum an Fahrzeugen unterbringen zu können, werden die Autos fast gestapelt und nach Bedarf wieder aus ihrer Enge befreit. Drei junge Männer sind am Werk, Autos hin und her zu fahren, ein und auszuparken. Vorwiegend befinden sich Autos der Ober- und Luxusklasse in der besagten Garage, vorwiegend mit italienischen Kennzeichen.

Nun machen wir uns auf den Weg zum Florentiner Dom, der sich nur wenige 100 m von unserem jetzigen Standpunkt entfernt befindet. Bereits von Weitem strahlt der weiße Marmor, welcher das Bild dieses mächtigen Bauwerkes bestimmt. Ich möchte unsere Freunde erst einmal bei einem Cappuccino und Croissant auf diese wunderschöne Stadt einstimmen. So platzieren wir uns an einem hübsch gedeckten Tischchen in einer schmucken Bar direkt gegenüber des Baptisteriums und ordern ein famoses Frühstück. Die Luft ist warm, jedoch verspüren wir morgendliche Frische und genießen den beginnenden Tag in dieser herrlichen Stadt. Fast eine Stunde verweilen wir hier und beschließen dieses wunderbare Frühstück mit einem Glas Prosecco.

Nach unserem feudalen Frühstück dränge ich darauf, das kulturelle Programm abzuarbeiten (auch der Preis für das Frühstück war nicht ohne: der Espresso 5 Euro; wenn man denselben an der Theke der Bar stehend einnimmt, kostet das nur 80 Cent).

So, jetzt wird es aber ernst: Wir gehen zum genau gegenüber liegenden Baptisterium mit den berühmten Bronze-Türen von Lorenzo Ghiberti, im Volksmund auch “Tore zum Paradies” genannt. Das muss eine Arbeit gewesen sein, unglaublich. Ich stehe gebannten Blickes vor dem Lebenswerk des Künstlers, einer mit Liebe ausgeführten Arbeit: 21 Jahre hat Ghiberti für die Fertigstellung gebraucht.

Anschließend besuchen wir natürlich den Dom, auch wenn wir fast 30 Minuten in der Schlange stehen und warten, bis wir Eintritt finden. Ich hatte den Mädels in unserer Gruppe schon gesagt, trotz Hitze nicht zu freizügig gekleidet nach Florenz zu fahren, denn in den Kirchen wird streng darüber gewacht, dass nur sittsam gekleidete Sünder das Heiligtum betreten. Im Dom erleben wir, wie eine Gruppe junger Asiaten aufgescheucht wird, die sich zum Picknick in einem der Seitenaltäre niedergelassen hatten. Schon ziemlich respektlos, finden wir. Zufällig bleiben wir in der Nähe einer englischsprachigen Reisegruppe stehen. Die Führerin erklärt, dass genau an diesem Punkt vor Jahrhunderten während des Ostergottesdienstes ein Medici-Fürst von Meuchelmördern niedergestochen und getötet wurde. Die Vorstellung gruselt mich etwas. Wenn diese Wände sprechen könnten!

Nach der Dombesichtigung schlendern wir die Via Roma entlang zum Rathaus, dem Palazzo Vecchio. In der Via Roma gibt es schöne Geschäfte, allerdings sehen die ja überall auf der Welt gleich aus, eben große Namen, in den Schaufenstern locken Schilder zum Sommer-Schlussverkauf. Doch das Thema “Shopping” haben wir uns für einen anderen Tag vorgenommen. So erreichen wir den imposanten Palazzo Vecchio, doch eine neuerliche Schlange hält uns von dessen Besichtigung ab. Vor den Uffizien, der wohl mit berühmtesten Gemäldesammlung der Welt, ergibt sich dasselbe Bild. Aber das hatten wir uns ohnehin nicht vorgenommen, zum einen ist keiner von uns echter Kunst- Experte, zum anderen kann man dieses riesige Museum nicht in ein oder zwei Stunden abhaken. Mindestens einen guten halben Tag sollte man sich schon Zeit nehmen, dann mit Führung oder zumindest einer guten Vorbereitung.

So lautet die nächste Etappe Ponte Vecchio, der mit Gold- und Schmuckgeschäften bebauten Brücke, die den Fluss Arno überquert. Ich hatte gelesen, dass hier im Mittelalter die Metzgerszunft ansässig war, welche die nicht verwendbaren Fleischreste und Abfälle eben einfach in den Fluss warfen. Irgendwann brannte die Brücke jedoch komplett ab und nach der Neuerbauung verordnete die Stadtverwaltung, dass von nun an die Zunft der Goldschmiede hier angesiedelt werden sollte. Heute sind es wohl eher Händler als Goldschmiede und die Ware ist zwar teuer, jedoch eher sehr klassisch gehalten – die Zielgruppe ist eindeutig nicht-europäisches Publikum. Wir überqueren die Ponte Vecchio und merken, dass wir langsam Hunger bekommen…

Stefanie Jehle
Stefanie Jehle
Backoffice, Content-Management & Administration, "Voyage, Voyage".

Die im Jahr 1987 noch auf Vinyl erschienene Hit-Single der französischen Sängerin Desireless sagt so manches aus über das Wesen und die Präferenzen von Stefanie Jehle. Zunächst: Reisen ist ihre Passion. Dabei führt sie ihre spontane Neugierde auch an die entlegensten Orte dieser Welt. Ihre persönliche Lieblings-Destination ist jedoch Frankreich. Nicht nur deshalb, weil Stefanie so gut französisch spricht (ihr Englisch und Italienisch sind allerdings nur unwesentlich schlechter), es ist einfach die Lebensart unserer westlichen Nachbarn, die ihr so gut gefällt.