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Die Stadt Prato mit ihren knapp 190.000 Einwohnern liegt im Norden der Toskana, ca. 20 km von Florenz entfernt. Prato ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, die jedoch erst im Jahr 1992 nach langem Ringen von Florenz abgespalten wurde. Seit dem Mittelalter gilt die Stadt als ein Zentrum der Textilindustrie und hat sich diese Tradition trotz einiger Krisen im vergangenen Jahrhundert bis heute erhalten.

Die Geschichte der Stadt

Prato soll schon von den Etruskern besiedelt worden sein, doch erst im 10. Jahrhundert wird die Stadt erstmals urkundlich erwähnt. Im Mittelalter entwickelte sich Prato dann zu einem bedeutenden Wollimperium.

Die Florentiner Zunft der Wollweber, die “Arte della Lana”, beschäftigte in den Werkstätten von Prato Lohnarbeiter, die unter äußerst widrigen Bedingungen die anstrengenden und schmutzigen Arbeiten verrichteten. Die Arbeiter wurden Ciompi genannt, der Begriff leitet sich von “schlecht gekleidet, schmierig, schmutzig” ab; sie mussten täglich 16 Stunden in den dunklen Räumen die Wolle kämmen, kratzen und reinigen.

Die schlechten Arbeitsbedingungen führten im Jahr 1378 zum ersten Arbeiteraufstand in der Geschichte, die Ciompi gründeten drei neue Zünfte als Gegengewicht zur “Arte della Lana”. Doch bereits 1382 wurden diese Zünfte von den Neureichen in Prato wieder abgeschafft und der kurze Aufstand somit beendet.

Kaufmännisches Denken und Handeln spielte zu dieser Zeit beim Wollhandel eine wichtige Rolle, und bis heute ist Prato die am stärksten kaufmännisch geprägte Stadt der Toskana. Ein bedeutsamer Vordenker hierbei war Francesco Datini – dieser Wollproduzent und Fernhändler lebte von 1330 bis 1410 in Prato und entwickelte den Wechsel sowie die doppelte Buchführung. Er hinterließ ein bedeutendes Kaufmannsarchiv, das als das größte des Mittelalters gilt.

Die kunsthandwerklich geprägte Textilherstellung erfuhr nach dem Zweiten Weltkrieg einen einschneidenden Wandel, als die Massenproduktion von einfacher Kleidung für die kriegsgebeutelten Europäer einsetzte. Neue Manufakturen wurden gebaut und es wurden massenhaft Arbeitskräfte aus dem armen Süden von Italien in die Stadt geholt.

So wuchs die Einwohnerzahl Pratos zwischen den Jahren 1950 und 1957 von 50.000 auf über 160.000, Mietskasernen in den Vororten Richtung Florenz dienten als Unterkunft für die Zuwanderer. Die Stadt bekam den Beinamen “Lumpen-Zentrum Europas”, und durch den Zusammenprall der reichen prateser Kaufleute mit den armen und oft ungebildeten Süditalienern kam es zu sozialen Problemen.

Als in den 1970er Jahren die Asiaten mit noch billigerer Ware auf den Textilmarkt drängten, kam es in Prato zu einer großen Pleitewelle und mehr als ein Drittel der Textilarbeiter wurde arbeitslos. Erst als man sich auf die alten Traditionen und die kunsthandwerkliche Herstellung von Textilien, dieses mal allerdings mit modernen Maschinen, zurück besann und der Massenproduktion abschwor, kam es zu einem erneuten Aufschwung, der bis heute anhält.

Sehenswürdigkeiten

Der Dom von Prato ist im Inneren reich mit Fresken geschmückt, die Außenfassade zieren grün-weiße Streifen und über dem Eingang befindet sich die “Madonna mit Kind und Heiligen” von Andrea della Robbia. Dem Campanile hat man mit einer nach oben zunehmenden Fensterzahl eine gewisse Leichtigkeit verliehen.

Die imposante, mit Zinnen gekrönte Festung “Castello dell’Imperatore” ließ Friedrich II. im 13. Jahrhundert erbauen. Vergleichbare Kastelle findet man nur noch in Süditalien, für Nord- und Mittelitalien ist die Festung von Prato einmalig.

Die historische Altstadt von Prato ist wie ein unregelmäßiges Sechseck geformt und weist eine Vielzahl an Kirchen und prächtigen Palästen auf. Viele der mittelalterlichen Gebäude wurden, wie auch der Dom, mit dem damals typischen weißen und grünen Marmor gestaltet. Die Altstadt wurde schon vor Jahren nahezu komplett zur Fußgängerzone erklärt, was Bummeln und Einkaufen sehr angenehm macht.

Im Städtchen Poggio a Caiano, ungefähr 8 km südlich von Prato, befindet sich inmitten eines herrlichen Parks eine prächtige Medici-Villa, die von Giuliano di Sangallo im Jahr 1480 entworfen wurde.

Andrea Wohllaib
Andrea Wohllaib
Unsere Expertin für Italien, Griechenland und Kroatien, "Biturbo".

Andrea Wohllaibs auffälligstes Merkmal im Arbeitsalltag ist ihre Abwesenheit: Wenn sie nicht da ist, türmen sich überall Stapel an zu erledigender Arbeit. Andrea ist berüchtigt für ihre Effizienz, die - einem Turbolader beim Verbrennungsmotor ähnlich - ab einer bestimmten Drehzahl einsetzt und dann ordentlich für Druck sorgt.